IBH-Tagung: Internationales Fachgespräch »Männer in sozialen, pädagogischen und gesundheitlichen Berufen«

17. Februar 2016

Die öffentliche Fachtagung vom 10. Februar 2016 setzte sich mit der Frage auseinander, wie Männer für soziale, pädagogische und gesundheitliche Berufe gewonnen werden können.

Marc Melcher, Diplompädagoge, eröffnete die Fachtagung mit einem Einstiegs-Referat zu den Hintergründen und Entwicklungen der Untervertretung von Männern in diesen Berufen. Er erläuterte, dass das Rollendenken immer noch stark verbreitet ist, zum Teil auch unbewusst, und sich oft in unreflektiertem Verhalten im unterschiedlichen Umgang mit Mädchen und Jungen zeigt. Dank wirkungsvollen Kampagnen gelang es in den letzten Jahren trotzdem zunehmend, das Rollendenken zu entschärfen und den Männeranteil in diesen Berufen zu steigern.

Im darauffolgenden Referat ging Lotte Rose, Professorin für Pädagogik der Kinder- und Jugendarbeit, kritisch auf den Ruf nach mehr Männern in Bildung, sozialen und pflegerischen Berufen ein. Sie bemängelt, dass Kampagnen, welche Männer mit typisch männlichen Eigenschaften in diesen Berufen zeigen, zu einer neuen, versteckten Geschlechterpolarisierung führen. Der typische Mann wird in Kampagnen oft als «das Andere» im Gegenpol zu den «weiblichen» Fähigkeiten dargestellt. Da es am »Anderen« mangelt, wird es auch als das »Bessere« erachtet. Automatisch wird dadurch «das Weibliche» abgewertet.

Im Anschluss an die Mittagspause wurden einige erfolgreiche Projekte oder sogenannte »Blitzlichter« vorgestellt, um Männer für soziale, gesundheitliche und pädagogische Berufe zu sensibilisieren und zu begeistern.

Im letzten Programmpunkt arbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in zwei Workshops konkrete Massnahmen dazu aus, wie das Gender Thema in der Öffentlichkeitsarbeit und in der Curriculumsgestaltung behandelt werden sollte.

Als Fazit der gesammelten Ideen kann zusammenfassend gesagt werden, dass es eine sach- und genderbezogene Öffentlichkeitsarbeit geben muss, welche vor allem die für den Beruf notwendigen Fähigkeiten ins Zentrum stellt. Qualität ist keine Frage des Geschlechts, sondern die professioneller Merkmale. Die Ideen werden von der Arbeitsgruppe Gender & Diversity der IBH weiterbearbeitet.

(News-fhsg.ch)

Die Tagung wurde von der IBH-AG Gender & Diversity veranstaltet und von der PH St.Gallen und der FHS St.Gallen organisiert.

Tagungsbericht