Austauschtreffen: IBH-Labs gehen preisgekrönt ins zweite Jahr

23. November 2017

Die Internationale Bodensee-Hochschule IBH hat Anfang Jahres drei IBH-Labs gegründet – Forschungs- und Innovationsnetzwerke, an denen sich mehrere Hochschulen und Praxispartner in der Bodenseeregion beteiligen. Die Idee wurde nun mit dem «Sail-of-Papenburg-Award» ausgezeichnet. Alle drei Labs trafen sich kürzlich zum übergreifenden Austausch – wobei vor allem digitale Themen eine gemeinsame Klammer bildeten. 2018 beginnt eine zweite Phase, für welche die IBH-Labs weitere Gelder für neue Projekte beantragt haben. Die Bewilligung durch das Interreg-Programm «Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein» steht noch aus und erfolgt im Januar.

Erfreuliches berichtete Simone Strauf von der Internationalen Bodensee-Hochschule IBH am übergreifenden Austauschtreffen der drei IBH-Labs in Kreuzlingen: «Die Arbeitsgemeinschaft europäischer Grenzregionen AGEG verlieh ihnen den Preis für erfolgreiche grenzüberschreitende Zusammenarbeit.» Die IBH-Labs seien in verschiedener Hinsicht ausserordentliche Projekte, so die Jury des Sail-of-Papenburg-Awards. Allein die Grösse des IBH-Netzwerks mit dreissig Hochschulen sei beeindruckend, und die Labs förderten die Entwicklung der Bodenseeregion – sie hätten damit Vorbildcharakter für andere Regionen. Bei den IBH-Labs handelt es sich um Forschungs- und Innovationsnetzwerke von Hochschulen und Praxispartnern aus Wirtschaft und Gesellschaft im Bodenseeraum.

Lösungen für Menschen mit Beeinträchtigungen
Prof. Dr. Guido Kempter von der Fachhochschule Vorarlberg stellte das IBH Living Lab «Active & Assisted Living» (AAL) vor. Dabei geht es um die gesellschaftliche Einbindung von Älteren und Menschen mit Beeinträchtigungen – sie sollen möglichst lange selbstbestimmt leben können. Das Lab hatte einen Höhepunkt im Juni mit der Tagung «uDay – umgebungsunterstütztes Leben», um einen Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis anzuregen. «Es gibt bereits viele Lösungen zur Integration dieser Menschen», erläuterte Guido Kempter. Allerdings fehle es noch an vermarktbaren Lösungen. Oft gehe es darum, bei den Anwendern Barrieren abzubauen und die Akzeptanz technologiegetriebener Lösungen zu erhöhen. Das Lab präsentierte ambitionierte Ziele: Beispielsweise sollen 500 Senioren zur Mitarbeit überzeugt, 100-AAL-Wohnungen betreut, 30 Barrieren abgebaut, 20 Dienstleistungen und 100 Produkte lanciert werden – mit einem Netzwerk aus über 100 Expertinnen und Experten. Hierfür hat das AAL-Lab fünf Projekte ins Leben gerufen. Eines davon nennt sich «Tourismusraum Bodensee» und soll diesen als Urlaubsort für Menschen mit Beeinträchtigungen attraktiv machen.

Betriebswirtschaftliche Herausforderungen meistern
Das IBH-Lab «KMUdigital» hat drei Projekte lanciert. Sie befassen sich mit der Digitalisierung in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU). Was müssen diese tun, um anschluss- und konkurrenzfähig zu bleiben? Die «digitale Bodensee-Agenda» untersucht rechtliche, politische und infrastrukturelle Rahmenbedingungen der Digitalisierung, um mit einem Weissbuch Handlungsempfehlungen und Lösungswege für Politik, Verwaltung und Interessensverbände – aber auch für die Wissenschaft und KMU – zu erarbeiten. Ein «Digitalisierungsnavigator» gibt KMU direkt Handlungsempfehlungen, wie sie sich betriebswirtschaftlich rüsten können, um die Digitalisierung erfolgreich für sich zu nutzen. Zudem haben Forschende des Labs eine «internationale Musterfabrik 4.0» erstellt – mit digitalisierten Produktionsprozessen und Lieferketten, grenzüberschreitend in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 2018 sollen drei weitere Projekte dazukommen: Wie optimieren KMU ihr Kerngeschäft und setzen gleichzeitig Innovationen um? Wie generieren sie Daten und schaffen daraus einen Mehrwert? Wie funktioniert die Landwirtschaft einer Hochpreisregion noch effizienter?

Aus- und Weiterbildung optimieren
Das IBH-Lab «Seamless Learning» will den Bildungs- und Wissensraum Bodensee stärken. «Es geht darum, dass wir insbesondere mit komplexem Lernstoff – wie beispielsweise in der Ingenieursausbildung oder in Physik – besser an die Studierenden oder Schülerinnen und Schüler herankommen», erklärte Dr. Andreas Witzig von der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Einerseits geschehe dies durch den Einbezug von digitalen Technologien wie dem Smartphone: Wie kommt man mit didaktischen Methoden auf die Endgeräte? Andererseits soll das Lernen vereinfacht werden, in dem Themen im Schulzimmer oder Vorlesungsraum stärker mit jenen in der Berufswelt, aber auch im privaten Umfeld, abgestimmt werden. «Das Ziel ist, beim Lehren und Lernen hinderliche Brüche zwischen analogen und digitalen Welten oder eben der Berufs- und Schulwelt zu vermeiden», so Andreas Witzig.

Die drei IBH-Labs sind insgesamt mit zehn Millionen Euro für die nächsten vier Jahre dotiert, wovon über sechs Millionen aus dem Interreg-Programm «Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein» stammen.