Eine einmalige Erfahrung

6. Juli 2018

Die Lindauer Nobelpreisträger-Tagungen bringen jährlich rund NobelpreisträgerInnen und ausgezeichnete Nachwuchsforschende aus der ganzen Welt an den Bodensee. Karin Prummel von der Universität Zürich hat als Stipendiatin der IBH an der diesjährigen Tagung im Bereich Medizin und Physiologie teilgenommen und schildert im Interview ihre Erfahrungen.

Wie sind Ihre Eindrücke von der Nobelpreisträgertagung?

Die Zeit in Lindau war eine einmalige und sehr spezielle Erfahrung. Der Austausch und die Gespräche mit den 600 Nachwuchsforschenden aus der ganzen Welt aber auch mit den Nobelpreisträgern war auf vielen Ebenen sehr inspirierend und lehrreich: sei es in den Präsentationen und Diskussionen über die eigenen Forschungsbereiche, praktischen Erfahrungen und Tipps für die wissenschaftliche Karriereplanung aber auch bei eher generellen Fragen wie nach der Rolle von Wissenschaft in einer modernen Gesellschaft.

Wie kann man sich den wissenschaftlichen Austausch auf dieser Tagung vorstellen?

Der wissenschaftliche Teil der Tagung hat mehrere Formate: einerseits präsentieren Nobelpreisträger und Nachwuchsforschende ihre Arbeiten. Andererseits gibt es Plenumsdiskussionen zu ganz speziellen Themen, wie zum Beispiel zu GMOs, also gentechnisch veränderten Mechanismen. Und schlussendlich ist das Programm so angelegt, dass genügend Freiraum bleibt, damit die Forschenden sich auch ausserhalb dieser formalisierten Veranstaltungen zu ihren Themen austauschen können. Und das passiert eigentlich ständig, weil jeder Nobelpreisträger gemeinsam mit einer Gruppe von Nachwuchsforschenden sein Mittag- und Abendessen verbringt und so wunderbare Gespräche in unterschiedlichen Konstellationen stattfinden.

Was haben Sie für die Planung Ihrer wissenschaftlichen Karriere in Lindau gelernt?

Insbesondere die Gespräche mit anderen Nachwuchsforschenden auch aus anderen Kontinenten waren sehr hilfreich um selbst zu reflektieren, welche Hoffnungen, Chancen aber auch Herausforderungen in einer wissenschaftlichen Laufbahn liegen. Die Lindauer Nobelpreisträgertagung findet aber nicht nur in der Woche in Lindau statt, sondern einige von uns konnten im Anschluss auf einer Reise der Max-Planck-Gesellschaft Institute der MPG in München und Berlin besuchen und ins Gespräch mit den Verantwortlichen kommen. Auch diese Erfahrungen helfen natürlich dabei den wissenschaftlichen Pfad weiter zu planen.

Wie verändert sich denn generell gerade die Wissenschaft?

In vielen Programmpunkten wurde über die sich verändernden wissenschaftlichen Rahmenbedingungen und Bezugspunkte gesprochen. Zum Beispiel wurde sehr intensiv über die Rolle von Open Access, also einem erleichterten Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen gesprochen. Wir befinden uns ja gerade mitten in einem Wandel des Publikationswesens und für Nachwuchsforschende ist es nicht immer leicht sowohl das Ziel von Publikationen in möglichst renommierten wissenschaftlichen Zeitschriften in traditionellen Verlagen als auch die einfache Verfügbarkeit der eigenen Resultate miteinander zu kombinieren.

Und wie verhält es sich mit der Rolle der Wissenschaft in der Gesellschaft?

Wie wir als WissenschaftlerInnen mit der Gesellschaft kommunizieren und welche Funktion die Wissenschaft generell in der Gesellschaft erfüllen soll, war natürlich auch ein zentrales Thema der Tagung. Wir haben einerseits sehr ausführlich über unterschiedliche Formate und Kanäle der Wissenschaftskommunikation diskutiert, sei es in digitalen Kanälen, dem Journalismus aber auch anderen öffentlichen Formaten. Gleichzeitig haben wir aber auch darüber diskutiert, inwiefern ForscherInnen bei diesen Aufgaben von anderen Vermittlungsorganisationen unterstützt werden können, seien es Kommunikationsspezialisten an den Universitäten oder dem Wissenschaftsjournalismus. Und es hat sich auch in Lindau gezeigt, dass es Forschende mit einer sehr hohen Leidenschaft für die Kommunikation mit der Gesellschaft gibt.

(Bildnachweis: Julia Nimke / Lindau Nobel Laureate Meetings)

Hintergrund

Karin Prummel ist Doktorandin am Institute for Molecular Life Sciences der Universität Zürich. Im Labor von Prof. Christian Moismann forscht sie zur Zellmigration und -organisation von kardiovaskulären Vorläuferzellen im „lateral plate mesoderm“ während der frühen Zebrafischentwicklung. Vor ihrer Zeit an der Universität Zürich studierte sie Biomedizinische Wissenschaften an der Universität Utrecht in den Niederlanden. In ihrer Masterarbeit an der University of California in San Francisco hat sie Brustkrebs-Metastasen auf einem „single-cell“ Level untersucht.

Die IBH unterstützt auch im kommenden Jahr Nachwuchsforschende aus der Bodenseeregion mit Stipendien zur Teilnahme an den Lindauer Nobelpreisträgertagungen. Die 69. Lindauer Nobelpreisträgertagung findet vom 30. Juni bis 5. Juli 2019 statt und widmet sich dem Feld der Physik. Möglichkeiten zur Bewerbung für ein IBH-Stipendium werden wir frühzeitig veröffentlichen.

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