Studium Generale: „Demokratie im weltgesellschaftlichen Kontext“

In unserer hochkomplexen Zeit zeigt sich die Demokratie in nationalen Kontexten, aber ebenso international in Europa und darüber hinaus weltweit in einer ungeheuren Dynamik. Deshalb prägt sich ihre historische Grundidee, ein Maximum an Partizipation ihrer Bürger mit einem Minimum an Herrschaft zu verbinden, heute sehr verschieden aus und ist darin schon abhängig von der demokratisch unterschiedlichen Gewichtung ihrer konstitutiven Elemente.

Umwillen politischer Handlungsfähigkeit und Führung bedarf es offensichtlich eines Grundmaßes an inhaltlichen Übereinstimmungen. Was ist jedoch, wenn diese in Sachfragen (z.B. beim Flüchtlingsgeschehen) verloren gehen und infolge zunehmender Heterogenität sogar organisatorische Rahmenbedingungen der Demokratie infrage gestellt werden?

Wieviel Populismus verträgt die parlamentarische Demokratie in solchen Situationen, wieviel massenmediale Dynamik, wieviel (charismatische) Führung, überhaupt wieviel unterschiedliche Kulturen und heterogene kollektive Lebensentwürfe? Welche Extreme bis zu welchem Grad? Und wiederum, warum gerät die „repräsentative Demokratie“ wiederholt an ihre Grenzen und fühlen sich so viele Bürger gerade nicht mehr wirklich repräsentiert? Muss angesichts weltgesellschaftlicher Zusammenhänge das Verhältnis von „repräsentativer“ und „plebiszitärer Demokratie“ neu überdacht werden? Aber der Bürger scheint gegenwärtig schon chronisch überfordert zu sein durch ständige – verstärkt digital an ihn ergehende – Mitbestimmungszumutungen und auch eine ausschließlichere „plebiszitäre Demokratie“ birgt große Gefahren neuer autoritärer und potentiell totalitär werdender Strukturen, die just die demokratische Basis bedrohen könnten.

Offenkundig wird auch jede zukünftige Demokratie, die sich als freiheitlich-säkulare Lebensform versteht, von individuellen, kollektiven, organisatorischen Voraussetzungen abhängen, deren Einhaltung sie selber nicht bis ins Letzte erzwingen kann, weil sie so gerade ihre freiheitliche Gestalt verspielte. Deshalb ist es das Ziel der interdisziplinären Studium Generale-Reihe, die unverzichtbaren Grundlagen und Grundvoraussetzungen demokratischer Lebensformen im weltgesellschaftlichen Kontext zu überdenken, um auch von unserer Herkunft her wieder in Erinnerung zu rufen und zu bedenken, was uns zukünftig zu tragen vermag.

Die Veranstaltungen finden im Rahmen der Reihe „IBH-Positionen“ statt. Das IBH-Jahresthema 2017/2018 lautet „Demokratie“.

Thema: „Gefährdete Demokratie. Warum wir uns auf die Demokratien der griechischen Antike besinnen müssen.“

Referent: Prof. Dr. Egon Flaig, Universität Rostock

Veranstaltungsort: Pädagogische Hochschule Weingarten, Kirchplatz 2 ,Festsaal im Schlossbau, 88250 Weingarten (DE)

Zusammenfassung: „Die repräsentativen Demokratien in Europa erleiden seit einem Jahrzehnt einen beunruhigenden Legitimationsverlust. Die gefährdenden Faktoren sind sowohl die ‚Entparlamentarisierung’ der Entscheidungen, als auch die Destruktion der Öffentlichkeit und das Auseinanderbrechen in Parallelgesellschaften. Wer sich sorgt um die Zukunft der Demokratie, muss sich besinnen auf ihre Herkunft. Es gilt, nachzudenken, welche kulturellen Grundlagen Demokratien benötigen. Daher ist Rückbesinnung auf die griechische Antike erforderlich.