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Gemeinsamer Kampf gegen Arteriosklerose

Im IBH-Projekt „Chlamydienpersistenz“ erforschten Zürcher und Konstanzer Wissenschaftler mit Arteriosklerose in Verbindung stehende Infektionen

Es ist nicht leicht, Partner zu finden im Bereich der Erforschung von Chlamydien-Infektionen. Doch im IBH-Raum arbeiteten an der Universität Zürich und der Universität Konstanz ausgewiesene Experten und konnten mithilfe der Internationalen Bodensee-Hochschule ein gemeinsames Forschungsprojekt stemmen und voneinander profitieren.

Wissenschaftler in Zürich analysierten Herzgewebe, Wissenschaftler in Konstanz Blut. Und nur ihre Anstrengung im Rahmen eines gemeinsamen Projekts brachten Ergebnisse, die bald in einer zweiten wissenschaftlichen Publikation zur Verfügung steht. Unter Federführung des Leiters des Instituts für Veterinärpathologie (IVPZ) der Universität Zürich, Prof. Dr. Andreas Pospischil, wurde mit der Biochemischen Pharmakologie der Universität Konstanz das Projekt „Chlamydienpersistenz“ realisiert. Die Internationale Bodensee-Hochschule (IBH) unterstützte das Projekt über drei Jahre. Dabei ist die Zusammenarbeit  unterschiedlicher Institute zwar essentiell, weil jeweils spezifische Kompetenzen sich ergänzen – doch sie ist im grenzüberschreitenden Bereich noch immer nicht leicht. „Ohne die Unterstützung des Projekts seitens der IBH wäre die grenzüberschreitende Kollaboration einfach nicht möglich gewesen“, sagt Pospischil.

Über den Teich und zurück

Für Wissenschaftler, die sich mit Spezialisten auf der ganzen Welt austauschen, existieren Staatsgrenzen kaum mehr. Die für das Projekt behandelten Proben stammten aus dem US-amerikanischen Louisville, dem südafrikanischen Johannesburg und aus Basel sowie Freiburg im Breisgau. Nichts Ungewöhnliches ist es, dass die Verbindung zur Chlamydien-Forscherin Corinna Hermann von der Universität Konstanz über Prof. Dr. James T. Summersgill von der Universität Louisville entstand. Die Infektion, die es zu erforschen gilt, ist global. Doch geht es um Forschungsunterstützung, so werden Wissenschaftler schmerzlich an die Existenz der Grenzen erinnert. Der Veterinärmediziner Pospischil sagt: „Die jeweiligen nationalen Forschungsagenturen unterstützen in den meisten Fällen nationale Projekte. Um auf die Ebene der EU zu gelangen, war das Projekt vom Umfang her zu klein.“ Durch die IBH sei es nun gelungen, in einem relativ fokussierten Forschungsbereich grenzüberschreitend Arbeiten durchzuführen.

Fortschritte für die Diagnostik

Dabei überqueren die Forschenden auch die Grenzen zwischen Human- und Veterinärmedizin. Denn Chlamydien als Bakterien, die nicht auf Nährböden wachsen, sondern sich innerhalb von Zellen ernähren, sind in Routineverfahren schwer nachzuweisen. Nach neuen Diagnoseverfahren für eine chronische Infektion wird schon seit längerem fieberhaft gesucht. Dabei spielt weniger eine Rolle, ob die Patienten zwei oder vier Beine haben. „Wichtiger ist es, wie man sich differenziert hat und welche Methoden man anwendet“, so Pospischil, dessen Institut das Schweizer Referenzlabor für Chlamydieninfektionen darstellt.
Das Projekt zu Chlamydien im Zusammenhang mit Arteriosklerose beschäftigte sich generell damit, diese im Patientengewebe und im Blut nachzuweisen und hier Reaktionen gegenüber bestimmter Proteine von Chlamydien zu entdecken. Mithilfe von Markern soll eine chronische Infektion besser diagnostiziert und später auch an therapeutischen Interventionen gearbeitet werden. Massgeblich an den Forschungen in Zürich beteiligt war die Wissenschaftlerin PD Dr. Nicole Simona Borel. Und die Ergebnisse stellten einen Teil von Borels Habilitation dar, die sie 2009 abgeschlossen hat.

Geographische Nähe hilft

Doch braucht es für diese hochspezialisierte Arbeit tatsächlich noch geographische Nähe? Pospischil und Borel sind der Meinung: Ja, auf alle Fälle. „Konstanz ist noch nicht mal eine Stunde entfernt, wir haben regelmässig Halbtagesseminare durchgeführt, an denen wir uns über den aktuellen Stand und die nächsten Schritte ausgetauscht haben“, bestätigt Pospischil. Wichtig hierbei sei laut Borel auch, dass im Rahmen solcher Treffen, zu denen das ganze Institut eingeladen ist, die Forschenden auch andere aktuelle Projekte auf den Tisch kommen. „Aus solchen Gesprächen kann sich immer wieder eine neue Kooperation entwickeln“, sagt Borel.
Komplizierter gestaltet sich die Reise quer über Kontinente. Borel selbst war mehrmals in Louisville, Professor Summersgill über drei Monate in Zürich. Das alles zeigt den hohen Stellenwert direkter Kommunikation – trotz Telefon- und Videokonferenzen.

Mehr alemannische Kooperationen

Deshalb solle man den IBH-Bereich inklusive weiteren Umfelds noch viel stärker als „As im Ärmel“ hiesiger Forschung betrachten. Laut Pospischil ein Innovationsbereich, der nicht zu unterschätzen sei. „Vermehrte alemannische Kooperationen wären sehr wünschenswert“, sagt er. Allein das Erkennen und Lernen, dass man auf der anderen Seite der Grenze auf völlig unterschiedliche administrative Wege stosse, sei eine wertvolle Erfahrung. „Das, was internationale Partner in ihrem Labor machen, wissen wir bestens“, sagt Pospischil. IBH-Projekte helfen somit, auch die restlichen Hürden zu überwinden.

Text: Yvonne von Hunnius. Abdruck frei mit Quellenangabe.
Hintergrundtext zur IBH: http://www.bodenseehochschule.org/presse

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