Halbzeitbilanz der IBH-Labs: Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis mit Modellcharakter

25. Oktober 2018

Digitalisierung, demografische Entwicklung und nahtlose Bildungsangebote: diese Herausforderungen in der Bodenseeregion bearbeitet die IBH seit zwei Jahren in innovativen Forschungs- und Praxisnetzwerken. Die 2017 gegründeten IBH-Labs mit Beteiligung von 15 Hochschulen und rund 40 Praxispartnern aus der Bodenseeregion dienen bereits bei Halbzeit als Vorbild für künftige Forschungs- und Praxisstrukturen in Europa. Neben ersten Ergebnissen ging es bei der Präsentation der Halbzeitbilanz in Kreuzlingen darum, gemeinsam mit Politik und Wissenschaft, Ideen für eine nachhaltige Nutzung der Lab-Ergebnisse für die Bodenseeregion zu entwickeln.

2015 lancierten die IBH, die Internationale Bodenseekonferenz (IBK) und das EU-Regionalprogramm Interreg V „Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein“ gemeinsam ein neues Instrument der Forschungskooperation. Die Grundidee dahinter war es „Strukturen zu schaffen, die die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis in für den Bodensee zentralen Themenbereichen der Digitalisierung beflügeln soll“, erklärt Prof. Dr. Sebastian Wörwag, Vorsitzender der IBH und Rektor der FHS St. Gallen, die Grundidee. Nach einem kompetitiven Ausschreibungsprozess gründeten sich drei IBH-Labs. Sie bearbeiten seit Anfang 2017 Fragen rund um die Digitalisierung des Mittelstands (KMUdigital), technologiebasierte Unterstützung für Menschen mit Beeinträchtigungen (Active and Assisted Living) und das nahtlose Lernen zwischen Bildungsstufen und der Verbindung von digitalen und analogen Formen (Seamless Learning). Die IBH-Labs werden von Interreg mit über sechs Millionen Euro gefördert, insgesamt verfügen sie über ein Budget von zehn Millionen Euro.

Für den Schaffhauser Regierungspräsidenten, Bildungsdirektor und amtierenden IBK-Vorsitzenden Christian Amsler sind die IBH-Labs bereits nach knapp zwei Jahren eine Erfolgsgeschichte und eine grosse Bereicherung für die Bodenseeregion, die auch weit über die Grenzen ausstrahlt: „Die IBH-Labs sind auf einer IBK-Reise nach Brüssel auf grosses Interesse in der EU-Kommission gestossen. Die gemeinsame Bearbeitung von Digitalisierungsthemen durch Wissenschaft und Praxis am Bodensee kann Modellcharakter für ganz Europa haben. Die IBH-Labs stärken den Standortvorteil am Bodensee noch weiter.“

Vielfältige Projekte in Wirtschaft, Demografie und Bildung

Bei der Halbzeitbilanz gaben die IBH-Labs Einblicke in Projekte wie die „Digitale Agenda Bodensee“, einem Teilprojekt des IBH-Lab KMUdigital: Ein gerade veröffentlichtes Grünbuch zeigt auf, welche politischen, rechtlichen und organisationalen Rahmenbedingungen kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) brauchen, um in der digitalen Zukunft bestehen zu können. In einer Studie zeigte sich, dass die Bodensee-Unternehmen zwar den Stellenwert der Digitalisierung für das eigene Unternehmen erkannt haben, sich von der Politik aber vor allem eine verbesserte digitale Infrastruktur sowie Unterstützung bei der Aus- und Weiterbildung von IT-Fachkräften, bei rechtlichen Fragestellungen sowie in Datenschutz und -sicherheit wünschen.

Im IBH Living Lab Active & Assisted Living werden Lösungen entwickelt, die älteren Menschen helfen sollen, so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Dazu braucht es neben technischen Lösungen auch die Einbindung von nahen Netzwerken aus Familien und der Zivilgesellschaft. Genau dafür entwickelt das IBH-Lab unter anderem eine Art Facebook für die Nachbarschaft.

Das IBH-Lab Seamless Learning entwickelt wiederum passgenaue Konzepte um lebenslanges Lernen in Bildung und Weiterbildung am Bodensee noch besser zu ermöglichen. Brüche in der Lernbiographie, zum Beispiel zwischen Schule, Ausbildung, Hochschule und Weiterbildung sollen mit didaktischen Konzepten und dem Einsatz digitaler Medien vermieden und positiv gestaltet werden.

Für den IBH-Vorsitzenden Sebastian Wörwag sind dies sehr gute Beispiele dafür, die Wirksamkeit der Wissenschaft für die Bodenseeregion zu zeigen: „Damit haben wir gemeinsam übergreifende Kompetenz-Leuchttürme geschaffen, die über die Region hinausstrahlen“. Wörwag denkt dabei bereits über die Förderperiode bis 2020 hinaus: „Wir wollen die IBH-Labs nachhaltig etablieren, weiterentwickeln und Synergien zwischen den Labs und der Praxis noch intensiver herstellen. Unser Ziel ist, es mit den IBH-Labs eine Führungsrolle bei gesellschaftlich relevanten Themen in Europa zu übernehmen“.

IBH-Labs: Die Grenzüberschreitenden Innovationsnetzwerke aus Forschung und Praxis präsentieren erste Ergebnisse