Unternehmergeist fördern

22. Mai 2015

Wie können Hochschulen Gründungskultur und Unternehmergeist fördern, um ihre Studierenden auf den Weg in die Selbständigkeit zu begleiten? Dieser Frage ging der Kongress der Internationalen Bodensee-Hochschule IBH vom 21. Mai in Kreuzlingen nach. Er stand unter dem Titel «Entrepreneurship – Startup – Spinoff». Vertreter von Hochschulen und Unternehmer diskutierten, welches Engagement es für mehr Unternehmergeist in der Lehre braucht und stellten erfolgreiche Beispiele vor.

Die Wirtschaftspolitik setzt grosse Erwartungen in Neugründungen von Unternehmen. Sie sollen einen Beitrag leisten, um den Strukturwandel voranzutreiben und neue Arbeitsplätze zu schaffen. An den Hochschulen stellt sich deshalb vermehrt die Frage, ob und wie sie ihre Studierenden zur späteren Selbstständigkeit motivieren und dafür qualifizieren sollen.

Theorie und Praxis verbinden

Die Universität Liechtenstein verfügt bereits über einen Lehrstuhl für Entrepreneurship und Technologie, der im Bereich der Lehre Vorlesungen, Seminare und Studienreisen anbietet. Im Vergleich zu den USA habe Europa einigen Nachholbedarf im Bereich der Entrepreneurship-Ausbildung, betonte Lehrstuhlinhaber Christian Marxt. Sie habe sich dort mittlerweile als eigenständige wirtschaftswissenschaftliche Disziplin etabliert und werde auf breiter Front in Lehre und Forschung betrieben.

Auf einer Studienreise mit Studierenden habe er nach den Gründen gefragt, weshalb im Silicon Valley deutlich mehr innovative Jungunternehmen gegründet würden als in Europa. Die Region verfüge über sehr gute Hochschulen und über Unternehmer, die in Jungunternehmer investierten, habe die Antwort gelautet. Zudem stimme im Silicon Valley die Lebensqualität, was sich motivierend für Firmenneugründungen auswirke. Auch die Bodenseeregion verfüge über dieses Potential, das es zu nutzen gelte.

Christian Marxt warf auch die Frage auf, ob man Unternehmergeist überhaupt studieren kann. «Voraussetzung für das Gelingen ist eine gute Mischung von Theorie und Praxis», gab er sich überzeugt.

Unternehmerisches Denken als Allgemeinbildung

Jörg Müller, CEO der Arcolor, vertrat am IBH-Kongress die Sicht des Unternehmers. Er wünsche sich, dass unternehmerisches Denken quasi als Allgemeinbildung in jedem Studium gefördert werde, erklärte er. Er mache oft die Erfahrung, dass den technisch Ausgebildeten betriebswirtschaftliche Kenntnisse fehlten und den Absolventen in Betriebswirtschaft das Verständnis für technisches Handwerk. «Hinter jeder Hightech-Lösung steckt immer auch handwerkliches Können.»

Frank Gielen von der Universität Ghent, Belgien, stellte Flanderns digitales Forschungszentrum «iMind» vor. Es unterstützt junge Unternehmer und Startups in der erfolgreichen Markteinführung ihrer Ideen. Die Entrepreneurship-Programme verbinden zukünftige Unternehmer mit Forschern, so dass sie ihre Kräfte bündeln können und mit ihren Projekten ein stärkeres Marktpotenzial erreichen. iMinds bietet Coaching und Unterstützung bei jedem Schritt in Richtung eines neuen High-Tech-Unternehmens.

Unternehmerische Hochschule

Den Schlusspunkt setzte am IBH-Kongress eine Podiumsdiskussion unter der Leitung von Urs Guggenbühl von der Fachhochschule St.Gallen (FHS). Von den Teilnehmenden wurde betont, dass der Weg zu einer unternehmerischen Hochschule Zeit braucht. Gelingen könne der Prozess nur, wenn auch die Hochschulleitung dahinter stehe.