Digitale Landwirtschaft

Analog zu anderen Wirtschaftsbereichen verändern sich momentan auch die landwirtschaftsnahen Organisationen durch den Einsatz neuer Technologien und die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung der Abläufe. Viele dieser Technologien werden fragmentiert, ohne übergeordnete Planung und Steuerung eingesetzt, sind nicht ausreichend getestet und werden mit hohem Aufwand in die Umgebung eingebunden. Um auch kleinen landwirtschaftlichen Betrieben, Händlern und Verarbeitern die Auswahl der Technologien zu vereinfachen und diese kostengünstig und arbeitsentlastend in ihre betrieblichen Abläufe einzubinden, sollen im vorliegenden Projekt für die Region Bodensee und für eine spezifische Anwendungsdomäne (Obstbau,
Gemüsebau) einfach zu adaptierende Referenzmodelle für die organisationsübergreifende Steuerung der landwirtschaftlichen Wertschöpfung entwickelt werden. Dabei sollen gezielt die spezifischen Bedingungen und Bedürfnisse in der Region untersucht und systematisch in Methoden und Modelle überführt werden.

Ziel ist es, mit vertretbarem Aufwand, landwirtschaftlichen Betrieben, Händlern und kleinen regionalen Technologie- und Beratungsfirmen die effektive Gestaltung und Durchführung der Digitalisierung der landwirtschaftlichen Wertschöpfung zu ermöglichen und dadurch einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber den überregionalen Konkurrenten zu verschaffen. Ziele des Projektes sind:

  1. Entwicklung eines Technologieradars Smart Farming Bodensee
    Zu Beginn des Projektes sollen die domänenrelevanten Basistechnologien analysiert, typisiert und als Technologieradar aufbereitet werden. Ziel ist die Entwicklung eines Klassifikationsschemas für Smart Farming Technologien sowie eines
    Bewertungsrasters, um potentiellen Anwendern die Auswahl der passenden Technologien zu vereinfachen. Aus den Ergebnissen der Überprüfung wird der Forschungsbedarf im Bereich Hard-und Software abgeleitet und prototypenhaft konzeptioniert.
  2. Entwicklung von Referenzprozessen (Blueprints) und Organisationsmodellen für die landwirtschaftliche Wertschöpfung
    Für die spezifische Anwendungsdomäne des Projektes (Obstbau, Gemüsebau in der Bodenseeregion) werden durchgängige Prozessmodelle entwickelt, die von potentiellen Anwendern einfach adaptiert und schnell umgesetzt werden können. Die Prozessmodelle enthalten neben den Aufgaben und der Entscheidungslogik die wichtigsten Steuerungsgrössen (KPIs) sowie die Zuordnung der Basistechnologien und ICT-Funktionen aus dem Technologieradar zu den Aufgaben, Rollen und Entscheidungspunkten.
  3. Dokumentation der Referenzprozesse und Organisationsmodelle in einem Handbuch
    Die Prozessmodelle werden als übersichtliches Organisationshandbuch veröffentlicht, das die Auswahl spezifischer Sichten (z.B. Steuerung, Prozessmodell, Technologie) erlaubt. Im Rahmen des Projektes wird eine Grundstruktur für das Handbuch entwickelt, die auch für weitere Smart Farming Anwendungen und Initiativen als Template dienen kann.
  4. Konzeption einer Online-Plattform für die Steuerung der landwirtschaftlichen Wertschöpfung und für die transparente Informationsversorgung der beteiligten Akteure
    Basierend auf den entworfenen Referenzprozessen und den Erkenntnissen des Technologiemonitorings wird für die Anwendungsdomäne eine Online-Plattform konzipiert, die als Service- und Informationsdrehscheibe den verschiedenen
    Akteuren des Wertschöpfungsnetzes zur Verfügung steht. Als Strukturmodell der Plattform sollen die Referenzprozesse, Organisationsmodelle und Kennzahlen aus dem Organisationshandbuch dienen.

Projektlead: FHS St.Gallen, Projektleiter: Oliver Christ (oliver.christ@fhsg.ch)

Projektpartner: NTB Buchs, DHBW Ravensburg

Projektlaufzeit: 15.02.2018 – 14.02.2020