Digitalisierungsnavigator (DigiNav)

Industrie 2025 – Digitalisierung – Industrie 4.0; die meisten Ausführungen zu diesen Begriffen erfolgen rein aus Sicht der Technologie ausgehend vom Istzustand der Produkte und der Produktion, so auch der „Leitfaden Industrie 4.0 – Orientierungshilfe zur Einführung in den Mittelstand“ (Anderl et al., 2015). Für Unternehmen stellt sich jedoch vielmehr die Frage nach dem Beitrag zum Geschäftserfolg, die eine ganzheitliche Sichtweise bedingt:
Wie kann ein Unternehmen durch gezielte Digitalisierung

  • Kunden stärker an sich binden
  • sich von Wettbewerbern differenzieren
  • Reaktionszeiten, Lieferzeiten und die Time-to-Market verkürzen
  • Produkte wettbewerbsfähiger gestalten
  • Services als (neues) Geschäftsfeld vorantreiben
  • die Wertschöpfungskette optimieren
  • eigene Prozesse neugestalten / optimieren und mit den Prozessen von Kunden / Lieferanten integrieren
  • Kunden ermöglichen, ihre Wertschöpfungskette und Prozesse zu optimieren
  • neue Geschäftsmodelle etablieren, welche zusätzliche Kunden ansprechen oder diesen selbst neue Geschäftsmodelle ermöglichen
  • nachhaltige Wettbewerbsvorteile aufbauen und schützen.

Ziel des geplanten Forschungsprojektes ist es, ein Vorgehen für die systematische Erhebung, Analyse, Priorisierung und Umsetzung der Digitalisierungspotenziale in KMU zu entwickeln. Im Gegensatz zu bestehenden Ansätzen soll im ersten Schritt nicht von den technologischen Möglichkeiten, sondern vom Nutzen und vom ganzheitlichen Beitrag zum Geschäftserfolg ausgegangen werden.

Mittels einer umfangreichen Analyse der bestehenden Literatur aus Wissenschaft und Praxis sowie mit Hilfe von 5 Workshops mit Unternehmen (8 KMU werden einbezogen) zu den Themen digitale Prozessintegration, Service-Innovation und -Transformation, Digitalisierung in Strategie und Geschäftsmodell, digitalisierte Produktion sowie Personalentwicklung und Ausbildungsbedarf werden die Grundlagen zur Entwicklung des neuen Ansatzes gelegt. Dieser wird zusammen mit den teilnehmenden Unternehmen verifiziert, indem eine Situationsanalyse, eine Potenzialanalyse und eine Bewertung unter den Gesichtspunkten Kosten, Nutzen, Risiken, tech-nologische Machbarkeit, Auswirkungen auf den Aufbau / Schutz von Wettbewerbsvorteilen und soziale Auswirkungen durchgeführt wird. Daraus werden konkrete Handlungsempfehlungen für die Unterneh-men abgeleitet.

Zu Einzelthemen können Impulse und Ergebnisse aus dem parallel im selben IBH-Lab beantragten Projekt „Entwicklung einer internationalen Musterfabrik i4.0“ aufgenommen bzw. die gewonnenen Er-kenntnisse dort ggfs. veranschaulicht werden.
Der Digitalisierungsnavigator umfasst Werkzeuge

  • zum Digitalisierungs-Fitness-Check für Prozesse, Produkte und Services
  • zur Ermittlung der Digitalisierungspotenziale mit nachhaltigem Beitrag zum Geschäftserfolg bzw. zur Erzielung eines konkreten Kundenutzens des Service Engineerings
  • ein Referenzmodell für die systematische Digitalisierung in KMU
  • die antizipierende Bewertung von alternativen (Unterstützungs-) technologien auf die Entwicklung von überfachlichen Kompetenzen
  • Ausbildungsbausteine und Vorschläge zu Personalentwicklungsmassnahmen zur Befähi-gung der Mitarbeitenden

Das Projekt dauert 18 Monate und adressiert, wie oben ausgeführt die Lab-Kernthemen Innovation, Digitalisierung und regionale Wettbewerbsfähigkeit.

Projektlead: FHS St. Gallen, Projektleiter: Christian Thiel (christian.thiel@fhsg.ch)

Projektpartner: NTB Buchs, HTWG Konstanz, ZHAW

Projektlaufzeit: 01.01.2017 – 30.06.2018