IBH-Lab »Seamless Learning«

Lernen und Lehren befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Lernende brauchen nicht viel mehr als ein mobiles Endgerät mit Internetzugang sowie ein Blatt und einen Stift, um überall und zu jedem Zeitpunkt zu lernen. Lernressourcen sind allgegenwärtig verfügbar (z. B. als OERs1, MOOCs2). Computergestütztes gemeinsames Lernen ist einfacher denn je (European Commission 2012: 9). Die Grenzen zwischen formalen und informellen Lernen verwischen zusehends. Die Technologien, die diesen Wandel befeuern, entwickeln sich rasant weiter. Die Anforderungen des Lebenslangen Lernens (LL) stellen Herausforderungen für die Gestaltung adäquater technologieunterstützter Lehr/Lernszenarien.

Aus Theorie und Praxis wissen wir allerdings, dass zur Verfügung gestellte Technologie an sich noch wenig bewirkt. Sowohl Lehrende als Lernende müssen lernen damit umzugehen, d. h. müssen befähigt werden, ebenso bedarf es eines schlüssigen (fach-)didaktischen Konzepts. Ein weiteres, oftmals noch größeres Hindernis in der Karriere als (lebenslanger) Lerner im 21ten Jahrhundert stellen immer noch vorhandene Brüche in der Lernbiographie dar – exemplarisch von der Schule zur Ausbildung bzw. Hochschule und im Beruf mit entsprechender Weiterbildung. Der Transfer und die Übergänge gelingen eingeschränkt.

Das Konzept des »Seamless Learnings« (SL)3 bietet einen Rahmen, die skizzierten technologischen und didaktischen Herausforderungen zu adressieren und ein lebenslanges, nahtloses Lernen über Bildungskontexte hinweg zu ermöglichen. “The aim is to design and enact not just episodic activities but ongoing programs, to gradually develop learners competences that allow them to be more efficient and effective self-directed individuals being able to identify and cover their learning goals not just anytime and anywhere, but perpetually and across contexts with and without external facilitations.” (Milrad, Wong, Sharples, Hwang, Looi & Ogata 2013, p. 98).

Ziel dieses Labs ist daher, auf Basis des Design-Based Research (DBR) Ansatzes (vgl. Reinmann 2014) Seamless Learning für verschiedene Bereiche (in Einzelprojekten zu den Bereichen MINT, Sozialwissenschaften und zu Schlüsselqualifikationen wie z. B. Projektmanagement) zu konzeptualisieren, entwickeln, implementieren, evaluieren und optimieren. Während einzelne Dimensionen von Nahtstellen für SL bereits identifiziert sind, (Wong, & Looi 2011; Fößl 2014, 14) fehlt es bisher vor allem an erfolgreichen Piloten in verschiedenen Feldern. Dies verwundert nur teilweise, weil eine SL Lösung die Kollaboration ganz unterschiedlicher Akteure und Kontexte erfordert. Das IBH Lab ermöglicht gerade dies und zwar grenzüberschreitend in Bezug auf Bildungskontexte, Bildungsphasen und Bildungsstufen und dies zu den verschiedenen Anwendungsfeldern in der Praxis.

Konkret soll in der ersten Phase, im Rahmen von Projekt 1, die Grundlage eines Seamless Learning Konzepts für das gesamte Lab geschaffen werden. Dies geschieht auf Basis eines DBR Ansatzes in Zusammenarbeit von Fachleuten im Bereich Educational Technology und (Fach-)Didaktikern. Weiterhin werden Vertreter aus Schulbildung, Berufs-/ und Hochschulbildung und beruflicher Weiterbildung hinzugezogen. Die folgenden Pilotprojekte greifen auf die konzeptionellen, technischen und didaktischen Grundlagen zurück und exemplifizieren sie für verschiedene Domänen und Übergänge.

Als Ergebnis erwarten wir eine fundierte SL-Konzeption und mehrere Leuchttürme für erfolgreiches SL aus drei verschiedenen Domänen (MINT, Sozialwissenschaften, Schlüsselqualifikationen). Die Bodenseeregion kann so europaweit eine Vorreiterrolle für erfolgreiches grenzüberschreitendes SL erlangen.

Leading House: ZHAW Winterthur, Ansprechperson: Matthias Schmid (matthias.schmid@zhaw.ch)

Beteiligte Projektpartner: ZHAW, FHS St.Gallen, NTB Buchs, Universität St.Gallen, HS Albstadt-Sigmaringen, HTWG Konstanz