IBH-Positionen: Erste Dokumentation verfügbar

24. November 2016

Mit «Grenzgänger Wissenschaft – Wer kann sich das Leben in der Stadt (noch) leisten?» startete die erste Veranstaltung der Reihe «IBH-Positionen».

In der Auftaktveranstaltung zur neuen Reihe «Grenzgänger Wissenschaft» ging es um Wohnraum, Nachhaltigkeit und Sozialkapital «Grenzgänger Wissenschaft» hat seinen Anfang in Konstanz genommen. Die neue Veranstaltungsreihe der Universität Konstanz, der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG), der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PHTG) in Kreuzlingen und der Stadt Konstanz hatte ins weiträumige Café pano an der Markstätte geladen, und eine stattliche Zahl an Bürgerinnen und Bürger waren gekommen. Die Auftaktveranstaltung griff eine hochaktuelle Frage auf: „Wer kann sich das Leben in der Stadt (noch) leisten?“ Prof. Dr. Maike Sippel, an der HTWG unter anderem für die Fachgebiete Energie- und Klimaschutzstrategien, Klimapolitik und Nachhaltige Entwicklung zuständig, und Dr. Thomas Wöhler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Soziologie der Universität Konstanz, nahmen sie in Angriff.

Moderator Philipp Queiser von Radio Seefunk RSF erklärte zu Anfang die Funktion der kleinen Geräte, die unter dem Publikum verteilt worden waren: Dieses sollte damit seine Einschätzung abgeben zum Beispiel zur Frage, wie groß in Konstanz eine durchschnittliche Wohnung ist. Es erwies sich, dass die meisten die größte Stadt am Bodensee ganz gut kennen: 80,7 Quadratmeter lautete die Antwort. Wie viele Personen sich diese rund 80 Quadratmeter teilen, ist damit jedoch noch nicht gesagt. Womit eines der größten Probleme von Konstanz angesprochen war: Wohnraum. Die HTWG-Professorin Sippel bezog das Thema Nachhaltigkeit in ihre Überlegungen zu diesem Thema mit ein, wobei sie den Begriff Nachhaltigkeit denkbar weitreichend verstanden wissen wollte und sich auch bei den Flächenressourcen kein Denkverbot auferlegte. Wie können nachhaltige Stadtquartiere entwickelt werden, die einen Strahleffekt auf andere Quartiere haben, formulierte sie eine Frage, die derzeit in Konstanz in vielerlei Hinsicht diskutiert wird. Konstanz ist eine von bundesweit 52 Kommunen, die im Wettbewerb „Zukunftsstadt“ erfolgreich waren. Die Universität Konstanz und die HTWG nehmen mit 19 Lehrveranstaltungen daran teil, zukunftsfähige Quartiere zu entwickeln.

Das Interesse des Soziologen Thomas Wöhler zielt auf die Beziehungen, die die Menschen in und zwischen den Quartieren untereinander pflegen. Er gehört zum Team, das an der Universität Konstanz im Auftrag der Stadt Bürgerbefragungen in der Stadt Konstanz, unter gelegentlichem Einbezug von Kreuzlingen, durchführt. Der Fokus liegt hier auf Fragen wie: Wer kennt wen und warum? Während im Sinne etwa der energetischen Nachhaltigkeit gelungene Quartiere in Konstanz weitgehend noch Zukunftsmusik sind, ist „das Sozialkapital“ hier hoch, so Wöhler. Die Umfragen ergaben, dass 85 Prozent der Konstanzerinnen und Konstanzer in diesem Sinne mit ihrer Stadt zufrieden sind.

Auch bei der Frage nach der Zahl derjenigen, die zum Arbeiten in den Thurgau gehen, erwies sich das Publikum als treffsicher: 3.800 Personen überschreiten die Grenze zur Schweiz, um an ihren Arbeitsplatz zu kommen. Damit bot sich die Schweiz auch als Vergleich zu Konstanzer Verhältnissen an. Zürich zum Beispiel, das sich insbesondere mit sogenannten Cluster-Wohnungen für die Zukunft wappnet. Je nachdem, wie der aktuelle Wohnraumbedarf ist, können Mieter Wohnraum dazu mieten oder ihn wieder verkleinern. Ein Modell, das für Konstanz, in dem viele ältere Menschen in viel zu großen Wohnungen leben, Relevanz haben könnte. „Wenn es sich die Feuerwehrleute nicht mehr leisten können, in der Stadt zu wohnen, hat die Stadt ein Problem“, brachte Thomas Wöhler dann auch die Mietpreise in Konstanz auf den Punkt.

Muss für jede Nachfrage ein Angebot geschaffen werden? Wie können wir gut mit Flächen umgehen? Was ist die Grenze des Wachstums in Konstanz? Wie kann eine Zusammenarbeit mit den Vororten, aber auch mit der Schweizer Nachbarstadt Kreuzlingen aussehen? Weitere Fragen, die von Maike Sippel, Thomas Wöhler und schließlich auch vom Publikum gestellt wurden. Nicht alles konnte beantwortet bereits werden, Anregungen gab es jedoch viele.

Hier gelangen Sie zur Filmdokumentation der Veranstaltung. Weiter Informationen, auch zu den nachfolgenden Veranstaltungen von „Grenzgänger Wissenschaft“ finden Sie hier.

Die nächste Veranstaltung am 13. Dezember 2016 widmet sich der Frage „Welche Bildung braucht der Mensch im dritten Jahrtausend?“. Sie findet im Café Six in Kreuzlingen statt.