Interview mit Prof. Dr. Annelies Kreis

1. Seit wann kennen Sie die IBH?

Zum ersten Mal in direkten Kontakt mit der IBH kam ich 2004 anlässlich einer Tagung für Leitungspersonen an Pädagogischen Hochschulen. Das war im ersten Betriebsjahr der PHTG und ganz allgemein in den „Babyjahren“ der Pädagogischen Hochschulen nach der Tertiarisierung der Lehrer-/innenbildung in der Schweiz.

2. Welches ist Ihre Funktion und in welchen Zusammenhang engagieren Sie sich in der IBH?

Noch bis Ende dieses Jahres forsche und lehre ich an der PHTG als Professorin mit den Arbeitsschwerpunkten Professionalisierung von Lehrpersonen, vor allem zu Mentoring und Coaching sowie Kooperation im Kontext schulischer Inklusion. Seit August letzten Jahres bin ich parallel dazu mit denselben Arbeitsschwerpunkten am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich als Senior Researcher und Dozentin tätig. Die IBH lernte ich zuerst über die jährlichen Treffen von PH-Vertreterinnen und Vertretern als Organisation kennen, die wesentlich zur Vernetzung zwischen den noch jungen PHs beitrug. Später wirkte ich im von der IBH geförderten Masterstudiengang „Schulentwicklung“ als Dozentin und Bereichsleiterin mit. Seit Januar 2014 leite ich die Interventionsstudie KUBeX (Kollegiales Unterrichtscoaching und Entwicklung experimenteller Kompetenz in der Ausbildung von Lehrpersonen), die wir in Zusammenarbeit mit den PHs Weingarten, Zürich, St. Gallen und Thurgau noch bis Ende dieses Jahres durchführen.

3. Welchen Mehrwert konnten Sie durch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Ihrem Projekt erzielen?

In der Studie KUBeX untersuchen wir die Wirkung von fachdidaktischen Impulsen zum Biologieunterricht und einer Intervention zu Kollegialem Unterrichtscoaching auf die Kompetenzerweiterung zukünftiger Biologielehrpersonen für die Sekundarstufe I. Unser Fokus liegt damit auf der praxissituierten Ausbildung von Lehrpersonen, welche in Deutschland und Österreich gerade deutlich ausgebaut wird und zu der in der Schweiz eine langjährige Tradition in Lehre und Forschung besteht. Im Bereich der Lehrerinnen- und Lehrerbildung sind Kontakte und Kooperationen zwischen den drei deutschsprachigen Ländern, wie sie über die IBH gefördert werden, sehr fruchtbar. Vieles ist ähnlich, und doch bestehen diverse vor allem strukturelle Unterschiede, so dass der Perspektivenwechsel über die Landes- und Kantonsgrenzen sehr anregend ist. Einen weiteren Gewinn sehe ich vor allem im Bereich der Forschung durch sich ergänzende thematische Schwerpunkte an den verschiedenen Hochschulen. Die Ressourcen der IBH bieten sowohl Anreiz, als auch die Voraussetzungen für innovative, nicht nur länder- sondern auch domänenübergreifende Kooperationsprojekte.

4. Was bedeutet die Mitgliedschaft in der IBH für Ihre Hochschule? Wie nützt die IBH der Bodenseeregion?

Gerade für eine kleinere Hochschule wie die PHTG bedeutet die Förderung von Aktivitäten zur Vernetzung, zur Entwicklung gemeinsamer Studiengänge und zum Wissenstransfer durch die IBH eine sehr wirksame Maßnahme zur Anregung von Innovation. Als Forscherin ist für mich vor allem die Projektförderung von großem Interesse. Aber auch die übrigen Vernetzungs- und Förderaktivitäten bedeuten für die Hochschulen um den Bodensee einen Standortvorteil und tragen dazu bei, die Region – die man ja aus den länderspezifischen Zentren heraus durchaus auch als Peripherie betrachten kann – als für die Wissenschaft bedeutsam zu betrachten.

5. Wenn Sie sich etwas wünschen dürften, was wünschen Sie sich für die IBH?

Ich halte diesen Zusammenschluss der angrenzenden Staaten, Bundesländer und Kantone zur IBH für etwas ganz Besonderes. Um den Bodensee gelingt, was andernorts in zähen Aushandlungsprozessen angestrebt, aber nur begrenzt erreicht wird: Die geteilten Interessen stehen im Vordergrund und in der partnerschaftlichen Zusammenarbeit wächst Innovation. Ich wünsche der IBH, dass der politische Wille zur Kooperation anhält und auch die dafür notwendigen Ressourcen weiterhin zur Verfügung gestellt werden können.