Kulturangebote am Bodensee digital vernetzen

6. September 2018

Das von der IBH geförderte Regionalprojekt „Digitale Kommunikationsstrategien für den Kultursektor in der Bodenseeregion“ zeigt auf, wie eine digitale Kommunikationsstrategie zur Vermarktung und Vermittlung der vielfältigen Kulturaktivitäten und –orte im Bodenseeraum zu gestalten wäre. Das Team bestehend aus Forschenden des ZHAW Zentrum für Kulturmanagement, des ZHAW Institut für Informationstechnologien und der FH Voralberg erarbeitet gemeinsam mit den Praxispartnern Spinningbytes und Die Regionauten praktische Handlungsoptionen für regionale Akteure aus Kultur, Standortmarketing, Politik, und Verwaltung. Wie das geschehen soll, erklären Diana Betzler und Frederic Fredersdorf im Interview.

Welche konkreten Ziele verfolgen Sie mit dem Projekt?

Vor allem der Kulturbereich erfährt mit der Digitalisierung einen tiefgreifenden Wandel. Das Web 2.0 hat die Produktion, Rezeption und Vermittlung von Kultur komplett verändert. Kulturkommunikation und -vermittlung im Netz haben sich dezentralisiert und sind partizipativer geworden. AnbieterInnen und NutzerInnen produzieren gleichermassen Inhalte, Kommunikationsstile verändern sich, die Trennung zwischen Hoch- und Populärkultur löst sich im Netz zunehmend auf. Die Bedeutung von Social Media im Aufmerksamkeitsmanagement und bei der Kommunikation und Vermittlung von Kulturangeboten und -inhalten hat enorm zugenommen, und wird in Zukunft noch relevanter werden.

Auch im Bodenseeraum ist diese Entwicklung zu beobachten. Unklar ist jedoch, wie sich kulturelle Kommunikationsstrukturen konkret gestalten, welche Instrumente und Mittel derzeit eingesetzt werden, wie intensiv und mit welcher Reichweite das kulturelle Angebot im Bodenseeraum kommuniziert wird. Auch sind in der Region wenig strategische, vernetzte Handlungsansätze einer digitalisierten Kulturkommunikation zu beobachten.

In diesem angewandten Forschungsprojekt soll erforscht werden, wie eine digitale Kommunikationsstrategie zur Vermarktung und Vermittlung der vielfältigen Kulturaktivitäten und -orte im Bodenseeraum zu gestalten wäre.

Welches sind die ersten Projektschritte?

Das Projekt beginnt mit der Bestimmung und Beschreibung der regionalen Kommunikationsstrukturen im Kulturbereich. Dazu werden mittels einer Online-Befragung KulturvermittlerInnen und Kulturschaffende hinsichtlich ihrer aktuellen Marketing- und Kommunikationsstrategien befragt. Ergänzend dazu werden Webseiten, Marketing-Dokumente und Social-Media-Einträge untersucht um Schlagworte und Selbstbeschreibungsmerkmale zu identifizieren, die in den einzelnen kulturellen Räumen in der Bodenseeregion dominieren. Wir werden im Zusammenhang mit der Bestandsanalyse auf zahlreiche regionale Kulturakteure zugehen und freuen uns über eine hohe Beteiligung. Die aus der Bestandsanalyse ausgewerteten Daten und resultierenden Erkenntnisse sollen die Basis für die Entwicklung von Handlungsoptionen bilden.

Auf welche Weise binden Sie PraxispartnerInnen aus dem Kulturbereich in das Projekt ein?

Uns ist es wichtig, die praktischen Handlungsoptionen gemeinsam mit PartnerInnen aus der Praxis zu erarbeiten und zu reflektieren. Deshalb werden wir einen oder mehrere übergreifende Workshops mit Werkstattcharakter organisieren, zu denen wir KulturvermittlerInnen, VeranstalterInnen, IdeengeberInnen, KulturjournalistInnen, KulturmarkterInnen und BloggerInnen einladen werden. Diese Arbeitsergebnisse sollen wiederum regionalen EntscheidungsträgerInnen präsentiert und mit ihnen diskutiert werden. Auf der Steuerungsebene haben wir für das Projekt einen Praxisbeirat etabliert. Darin sind neben Politik, Regionalentwicklung und Tourismus natürlich Personen aus dem Kulturbereich vertreten.

Welchen Mehrwert versprechen Sie sich mit dem Projekt für die Bodenseeregion?

Die Studie kann einen wertvollen Grundstein zur strategischen Entwicklung des Kultursektors im Bodenseeraum leisten. Dabei füllen wir zunächst eine Forschungslücke, denn bislang wurde noch keine Studie durchgeführt, die die Kommunikationsstrukturen des Bereichs Kultur im Bodenseeraum untersucht. Dies, obwohl der Kultursektor mittlerweile unumstritten wesentlicher Bestandteil für die strategische Entwicklung von Regionen darstellt. Im gesamten Prozess werden zahlreiche Akteure befragt und entweder bilateral oder durch die im Projekt geplanten Panel-Diskussionen und Workshops eingebunden. Dadurch werden viele Menschen in der Region für das Thema sensibilisiert und zu neuem Handeln inspiriert. Durch die enge Zusammenarbeit der Wissenschaft mit den regionalen Partnern erwarten wir eine nachhaltige Wirkung des Forschungsprojektes in der Region.

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