Wunsch und Praxis der Expansion
Nicht nur, aber auch eine Frage der Einstellung
Woher ein Unternehmer kommt und was er über die Internationalisierung denkt, nimmt Einfluss auf den Grad der Internationalisierung seines Unternehmens.
Das IBH-Projekt SARI-S analysierte diese Faktoren ergänzend zu bisherigen Studien und entwickelte Instrumente, um solche persönlichen Einflüsse auf die Unternehmensentwicklung zu überwinden. SMEs’ Awareness of the Relevance of Internationalization – Status Quo, kurz SARI-S, ist ein Forschungsprojekt der Hochschulen Albstadt-Sigmaringen und Liechtenstein, das die Internationale Bodensee-Hochschule von April 2006 bis Dezember 2007 förderte.
Die Globalisierung der Waren- und Kapitalströme ist für Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) eine große Herausforderung. Insbesondere die wirtschaftliche Entwicklung in Ost- und Südosteuropa stellt für KMU ein großes Wachstumspotential dar. Neue Studien zeigten, dass bei KMU oft eine deutliche Diskrepanz zwischen den geplanten Expansionsschritten und den tatsächlichen vollzogenen Aktivitäten vorliegt. Das Projekt SARI-S zielte darauf, dieses Missverhältnis zu beleuchten und zu analysieren. Dazu erarbeiteten die Hochschulen gemeinsam einen quantitativ orientierten Fragebogen. Auf dessen Basis wurden an 160 Unternehmen aus Deutschland, dem Fürstentum Liechtenstein, Österreich und der Schweiz schriftliche und mündliche Erhebungen durchgeführt. Die Auswertung der Befragung zeigte verschiedene Einflussfaktoren des unternehmerischen Verhaltens: Im Entscheidungsprozess zur Internationalisierung sind neben der regionalen Prägung der Firmenidentität auch zurückliegende Erfahrungen und die Einstellung zur geplanten Expansion eines Unternehmens von wesentlicher Bedeutung.
Nachhaltige Wirkung des Projekts
Die enge Zusammenarbeit der Hochschulen innerhalb des Projekts ermöglichte vielfältige Synergien. Durch Transferaktivitäten des Projekts können interessierte Unternehmen zum Beispiel in Form von Seminaren und gemeinsamen Projekten die eigene Wettbewerbsfähigkeit der im Bereich der Internationalisierung nachhaltig verbessern.
Der Lehrstuhl International Management der Hochschule Liechtenstein betreibt nun weitere Forschung zum Thema mit dem Ziel, das Wissen in diesem Bereich zu vertiefen, um daraus konkrete Handlungsempfehlungen für KMU im Rheintal ableiten zu können.
Die Hochschule Albstadt-Sigmaringen führt insbesondere die Forschung zum Thema persönliche Einstellungen und Internationalisierung fort. Forschungsergebnisse fliessen in den Lehrbetrieb der Hochschule ein. Konkret werden sowohl im Bachelor- als auch im Master of Science-Programm des Studiengangs „Wirtschaftsingenieurwesen“ Veranstaltungen zur Außenwirtschaft angeboten. Studierenden soll die begrenzte Erklärungskraft ressourcenbezogener Ansätze verdeutlicht werden. Studierende, die später selbst Entscheidungen von strategischer Relevanz treffen müssen, wird die Bedeutung einstellungsorientierter Aspekte in Bezug auf Internationalisierung deutlich gemacht. Dabei wird das Bewusstsein für immaterielle Hindernisse geschärft, um diese mit den geeigneten Instrumenten überwinden zu können. Darüber hinaus wird derzeit mit dem Wirtschaftsforum Baden-Württemberg e.V. an einem Lehrplan für ein Seminar gearbeitet, das sich an mittelständische Unternehmer richtet und im Kern auf den Ergebnissen von SARI-S basiert.
