Predicting Tourism Movement

Die Bodenseeregion ist eine beliebte Destination in der »Vier‐Länder‐Region« Deutschland, Schweiz, Österreich und Liechtenstein. Abgesehen von den landschaftlichen Gegebenheiten und städtischen Attraktionspunkten ist einer ihrer Attraktivitätsgründe sicherlich in ihrer spezifischen geografischen Lage auszumachen. Bedingt durch die Grenzsituation und vor allem die Währungsdifferenzen, hat sich zusätzlich zum Erholungstourismus ein ganzjähriger Shoppingtourismus, hauptsächlich aus der Schweiz, in grenznähe Städte wie Konstanz Singen und Bregenz etabliert.

Durch dieses Zusammenkommen konzentriert sich das Menschenaufgebot zu touristischen Hochphasen, aber auch eventbasiert stellenweise stark. Dies liegt zum einen an einer, bedingt durch die geografische Lage der Region und dem See, limitierten Infrastruktur der Bodenseestädte, zum anderen an der zeitlichen und räumlichen Kollision von Verkehrsströmen. Angesichts unterschiedlicher Bedürfnisse differenzierter touristischer Gruppen, erscheint ein Segmentieren dieser und eine bedarfsgerechte Anpassung ihrer Bewegungsverhalten äußerst sinnvoll. Ist der Einkaufstourist beispielsweise an einer möglichst zeiteffizienten Abwicklung seiner Besorgungen interessiert, so liegt die Nachfrage eines Erholungstouristen in der Ansteuerung touristischer Attraktionen und im entspannten Verweilen an expliziten Orten. Die Vermeidung durch Stress aufgrund unkontrollierter Verkehrsströme liegt im übergeordneten Interesse, nicht nur von Touristen, sondern gleichermaßen auch von Anwohnern, Politik und Wirtschaft.

Das Projekt »Pred‐Tour« (Predicting Tourism Movements) hat sich zum Ziel gesetzt, die differenzierten Verkehrs‐ und Menschenströme der Bodenseeregion und insbesondere ihrer stark durch Tourismus beanspruchter Städte zu erfassen. Das weitere Abstrahieren vermuteter gruppenspezifischer heterogener Bewegungsmuster auf Basis eines Algorithmus lässt die Prognostizierung lokaler und temporaler Verkehrsaufkommen und Verhaltenstendenzen zu. Durch das Erkennen der touristischen Bewegungsmuster sind touristische Hot‐Spots und touristische „Nicht‐Orte“ identifizierbar. Ferner lassen sich durch die Möglichkeit zur zeitgenauen Prognose touristische Ströme lenken. Dies eröffnet zum einen auf organisatorischer Ebene eine gezieltere Infrastrukturplanung, zum anderen ist durch die Entwicklung einer App für den privaten Nutzer eine auf prognostiziertem Verkehrsaufkommen und individuellen Randbedingungen basierende Planung der eigenen Verkehrsroute möglich. So könnte zum Beispiel ein Einkaufstourist angesichts hoher prognostizierter Menschenaufkommen seinen Besuch und Einkauf auf einen anderen Zeitpunkt oder Ort verschieben. Dies führt zu einer Nutzungsoptimierung verkehrstechnischer Infrastruktur und erlaubt einen entspannteren Aufenthalt für Erholungs‐ und Shoppingtouristen gleichermaßen: Datengestützte und zeitlich begrenzte Angebote (z.B. Rabatte) von Ladengeschäften können weiter zur Steuerung des Menschenaufkommens beitragen. Die generierten Daten und die daraus abgeleiteten Bewegungsmuster ermöglichen es Anbietern in Echtzeit personalisierte, kontextbezogene und damit für Konsumenten hochrelevante Angebote anzubieten und gleichzeitig zur Lenkung der Menschenströme sowie der Kapazitätsauslastung einzelner Anbieter beizutragen. Die generierten Bewegungsmuster und Daten liefern wertvolle Informationen über Kunden, welche für Anbieter zur Berechnung von Kundenwerten und zur Segmentierung von Kunden verwendet werden können, um das bestehende Leistungsangebot weiter optimieren zu können.

Somit bietet das »Pred‐Tour«‐Projekt eine innovative technische Lösung für ein eigentümliches Problem der Bodenseeregion. Die dadurch hervorgehende effizientere Nutzbarkeit der vorhandenen Infrastruktur aus Sicht beider Ströme, stellt eine Optimierung der touristischen Attraktivität dar und trägt somit zur länderübergreifenden nachhaltigen Förderung der Region und ihrem längerfristigen Entwicklungspotenzial bei. Eine Erweiterung und Übertragung des Forschungsdesigns auf andere Gruppen und Regionen ist zudem denkbar und erstrebenswert.

Projektpartner: HTWG Konstanz (Projektleitung) Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)

Praxispartner: Google Schweiz, SAS Schweiz, Holidaycheck (D+CH)

Projektlaufzeit: 1.6.2016 – 30.9.2018

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Projekts.