Migraton – Töne zur Migration

Im Rahmen der IBH-Positionen, die im Studienjahr 2016/17 dem Thema Mobilität – Zwischen Bewegung und Transformation gewidmet ist, konnte das Vorarlberger Landeskonservatorium eine Veranstaltungsreihe in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich (Englisches Seminar) und der Universität Konstanz (Exzellenzcluster Kulturelle Grundlagen von Integration) konzipieren. Von den 4 geplanten Gesprächskonzerten konnten schließlich 3 mit dem lokalen Veranstaltungspartner Vorarlberg Museum im vergangenen Februar und März  2017 in Bregenz ausgetragen werden. Dabei wurden bekannte und weniger bekannte Vertreter von Arbeits- und Bildungsmigration wie auch in Vorarlberg lebende Flüchtlinge und ihre Nachkommen sicht- und hörbar gemacht.

Die geladenen Akteure agierten dabei nicht nur als erzählende Gewährsleute, sondern sie verknüpften ihre eigene Migrationsgeschichte mit ihrer individuellen Musikperformance. Der erste Abend am 9. Februar 2017 zum Thema „Musik als Erinnerungsmedium“ widmete sich politischen Flüchtlingen von heute und Nachkommen von damals. Eine Klangwelt in die syrische Volksmusik und ihrer Instrumente boten der jüngst nach Vorarlberg geflüchtete Syrer Moaz Alshamma (heute Wolfurt) und sein Musikerkollege Kameran (heute Rankweil). Ihre Geschichten trafen auf die Familiengeschichte der in Großdorf lebenden Vera Reheis und ihrem Sohn Daniel. Veras Eltern sind beide im Zweiten Weltkrieg durch die Option (Hitler-Mussolini-Abkommen) nach Vorarlberg übersiedelt (worden). In Vera Reheis‘ Erinnerungskultur nehmen Lieder ihrer Eltern und Großeltern, bajuwarisch-sprachige und italienische, eine tragende Rolle ein. Das Konzept dieser Veranstaltungsreihe sah vor, die Gesprächskonzerte durch Impulsvorträge von Experten zu ergänzen. Beim ersten Abend referierte Dr. Ana Sobral von der Universität Zürich.

Ein Kurzfilm (2.5 min) fasst die Veranstaltung zusammen:

Hier finden Sie die komplette Dokumentation der Veranstaltung „Musik als Erinnerungsmedium“:

Die Literaturwissenschaftlerin war auch am zweiten Thementag, dem 16. März 2017 Vortragende. Hier nun gemeinsam mit Studierenden des Vorarlberger Landeskonservatoriums. Für den Themenabend „Migration in der Popularmusik: Cissokho brothers“ (Senegal/ Vorarlberg/Schweiz). entwickelte sie im Rahmen eines im Vorfeld dieser Veranstaltung am Konservatorium durchgeführten Seminars eine Feldforschung, in der der in Satteins lebende „Kopf“ der Cissokho brothers, Moussa Cissokho, als Gewährsmann agierte und den Studierenden Martin Degasper, Johanna Dietrich, Christoph Dobberstein, Felix Huber, Franziska Schneider, Philip Tratter Auskunft zur Familiengeschichte dieser berühmten Senegalesischen Griots-Familie, ihrer Musikkultur sowie dem Musikinstrument der Kora (westafrikanische Stegharfe) gab.

In der Zeitschirft „Kultur“ ist ein Beitrag zum Themenabend „Migration in der Populärmusik“ erschienen: http://www.kulturzeitschrift.at/kritiken/musik-konzert/die-kora-und-singen-bedeuten-leben-der-in-vorarlberg-lebende-griot-moussa-cissokho-und-seine-brueder-erweiterten-mit-ihrer-musik-den-horizont#.WTezTR-3FE0.email

Das dritte Gesprächskonzert am 23. März 2017 fragte schließlich „Wie klingt Vorarlberg? – ein Hörfenster zwischen Innerösterreich und der Welt“. Musikalische Antworten gaben Lucas Oberer (Enkelsohn einer in den Nachkriegsjahren in den „goldenen Westen“ eingewanderten Steirerin und eines Kärntners), das Ensemble Familie Mikic (Ex-Jugoslawien / Feldkirch), Andreas Paragioudakis (Griechenland/Wolfurt), das südafrikanische Bochabela-Trio und das Duo Pentatonik (Adelina Luding Yao und
Lina Tanner). Dieser Abend führte Arbeitsmigranten der Nachkriegsjahre mit Bildungsmigranten der Gegenwart in den Dialog, der nach der offiziellen Veranstaltung in einer freien „Session“ endete. Und somit die Idee dieser Reihe, die Bedeutung der Musik in der Diaspora und ihre wesentliche Funktion als Ventil- und Kommunikationsinstrument nach Innen (Community) wie nach Außen (Mehrheitsgesellschaft) in den Mittelpunkt niederschwelliger Begegnungsräume zu stellen.

Die Veranstaltung ist in voller Länge als Fiilmdokument verfügbar: