Wie müssen Unternehmensstandorte der Zukunft gestaltet sein?

13. März 2018

Das von der IBH geförderte Regionalprojekt Gewerbegebiete 4.0 will herausfinden, welche Anforderungen wettbewerbs- und zukunftsfähige Unternehmensstandorte in der Bodenseeregion erfüllen müssen. Gemeinsam mit Praxispartnern aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft entwickeln die ForscherInnen der HTWG Konstanz, der Universität St. Gallen und der HSR Rapperswil Strategien und Instrumente für eine bedarfsgerechte und nachhaltige Weiterentwicklung von Gewerbegebieten. Wie dies geschehen soll erklärt das Team des zum 1. Januar 2018 Projekts in einem Interview.

Welche Ziele verfolgen Sie mit diesem Projekt?

Die Bodenseeregion ist ein dynamischer Wirtschaftsraum mit einer starken, wissensintensiven Industrie. Wir wollen herausfinden, wie sich mit der Digitalisierung Produktions- und Arbeitsformen verändern – man denke etwa an Schlagworte wie Industrie 4.0 oder Coworking – und welche Anforderungen sich daraus für wettbewerbsfähige Unternehmensstandorte ergeben. Gleichzeitig führt das anhaltende Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum in unserer Region mit ihren besonderen Natur- und Landschaftsräumen zu Konflikten in der Siedlungsentwicklung. Hier stellt sich die Frage, wie unter Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit neue Lösungen gefunden werden können, die wirtschaftlich tragfähig, gesellschaftlich akzeptiert und ökologisch verträglich sind. Dabei geht es um ein breites Spektrum an Instrumenten sowohl bei konkreten Bauprojekten vor Ort, bei der Zusammenarbeit zwischen Eigentümern, Nutzern und Kommune im Gewerbequartier aber auch bei der Kooperation zwischen Kommunen und auf regionaler Ebene.

Welches sind die ersten Projektschritte?

In einem ersten Schritt geht es darum, im Gespräch mit regionalen Experten aus Wirtschaft, Wirtschaftsförderung, Kommunalverwaltung und Planung, die Ausgangslage in der internationalen Bodenseeregion aufzuarbeiten: Wie verändern sich die Standortanforderungen der Unternehmen? Wo gibt es in der Region schon innovative Ansätze – etwa flächensparendes Bauen, nachhaltige Energiekonzepte für Gewerbegebiete oder interkommunale Gewerbeschwerpunkte? Solche Beispiele werden dann in Fallstudien vertieft untersucht, systematisiert und mit der Praxis diskutiert.

Auf welche Weise binden Sie die Praxis in das Projekt ein?

Die enge Zusammenarbeit mit Praxispartnern – sowohl der öffentlichen Hand als auch der Wirtschaft und Verbänden – ist eine Voraussetzung: Wettbewerbs- und zukunftsfähige Gewerbestandorte brauchen geeignete planerische Vorgaben und Festsetzungen von Regionen und Kommunen, eine aktive Wirtschaftsförderung und aufgeschlossene Unternehmen. Mit einigen Partnern sind wir bereits im Gespräch. Andere werden wir in Bälde ansprechen. Wir wollen das Wissen der Praxisakteure aufgreifen und im Rahmen von Fokusgruppen und Veranstaltungen in einen fruchtbaren Dialog bringen.

Welchen Mehrwert versprechen Sie sich mit den Ergebnissen für die Bodenseeregion?

Wichtig ist erst einmal, das Thema Gewerbeflächen und ihre notwendigen Qualitäten in einer sich wandelnden Arbeitswelt stärker in die Diskussion zu bringen. Nachhaltigkeit wird im Zusammenhang mit Wohnquartieren bereits seit längerem diskutiert, bei Gewerbegebieten stehen wir vielerorts noch am Anfang. Dabei sind zukunftsfähige und nachhaltige Unternehmensstandorte beispielsweise auch ein Pluspunkt für die Gewinnung von Arbeitskräften. Am Ende soll konkretes Orientierungs- und Handlungswissen insbesondere für Planung, Gestaltung und Wirtschaftsförderung stehen, das in einem Leitfaden und einem Webtool bedarfsgerecht verfügbar gemacht wird. Im Idealfall leisten wir mit dem Projekt einen ersten Schritt zu einem dauerhaften „Gewerbeflächendialog“ auf regionaler Ebene und bereiten den Weg hin zu einer modernen, wirtschaftlich prosperierenden und nachhaltigen Bodenseeregion, in der Natur- und Landschaftsräume im Einklang mit nachhaltiger Siedlungsentwicklung stehen.

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