Chancen im asiatischen Markt: IBH unterstützt internationale Tagung

Erstmals fand vom 2. bis 5. Oktober 2019 die Jahrestagung der Euro-Asia Management Studies Association (EAMSA) in Österreich statt. Die viertägige Veranstaltung an der FH Vorarlberg bot Entscheidungsträgern der Bodenseeregion die Möglichkeit, mit Asienexperten in Kontakt zu treten und Erfahrungen auszutauschen. Mehr als 70 Gäste aus Asien und Europa nutzten die Gelegenheit zum Netzwerken. „Die Veranstaltung fand auch in der lokalen Industrie großen Anklang. Die Konferenz ist nur der erste Schritt, das Thema Asien und seine Märkte in der Region zu verankern. Die FH Vorarlberg ist damit eingebunden in ein internationales Wissensnetzwerk“, resümiert Sierk Horn, Professor im Studiengang International Management an der Hochschule.

Regionales Asienforum
Ostasien ist ein attraktiver Markt für die Bodenseeregion – im Handel, in Wertschöpfungsketten oder als Investoren. Die Jahrestagung in Dornbirn setzte sich intensiv mit den Chancen und Risiken in Asien auseinander, aber auch mit den Geschäftsprozessen und den Verhandlungstaktiken dieser erfolgsversprechenden Region. „Es ist der Startschuss für den langfristigen Aufbau eines ‚East Asia Observatory‘ – ein regionales ‚Asienforum‘, gefördert durch die Internationale Bodensee-Hochschule (IBH) – das sich mit Asien als einen dynamischen und attraktiven Wirtschaftsraum beschäftigt“, so Horn. „Die FH Vorarlberg pflegt sehr enge Partnerschaften mit vielen Unternehmen in der Region und bietet mit diesem Netzwerk eine ideale Gelegenheit, Kontakte nach Asien zu knüpfen.“

Für die IBH hat insbesondere die vernetzte Zusammenarbeit in der Bodenseeregion einen hohen Stellenwert: „Die mit unserer Förderung verbundene Kooperation mit den Universitäten Zürich und Liechtenstein sowie der Hochschule Albstadt-Sigmaringen im Rahmen des East Asia Observatory birgt die Chance, den Blick der gesamten Bodenseeregion auf Asien zu schärfen und gemeinsames Handeln zu starten“, hebt Markus Rhomberg, Geschäftsführer der IBH hervor.

Intensive Handelsbeziehungen
Sowohl mit China als auch mit Japan, den weltweit zweit- und drittgrößten Wirtschaftsnationen, bestehen intensive Handelsbeziehungen. China ist mit einem bilateralen Handelsvolumen von 12,55 Milliarden EUR im Jahr 2018 der wichtigste Handelspartner Österreichs in Asien. Die ohnehin starken Handelsbeziehungen mit Japan – gegenwärtig auf Rang zwei nach China – erleben durch das im Februar 2019 in Kraft getretene Freihandelsabkommen (JEFTA) einen weiteren Aufschwung.

Wirtschaftliche Relevanz
Diese Tendenzen spiegeln sich auch in Vorarlberg wider. Im Bereich Außenhandel belegt der Wirtschaftsraum Asien seit 2005 durchgängig den dritten Platz hinter den EU- & EFTA-Mitgliedstaaten, aber vor Nordamerika, wohl auch getrieben durch Chinas WTO-Beitritt 2002. Obwohl es 2018 zu einem Rücklauf im Handel kam, betonen Quantität und Qualität Sino-Vorarlberger Geschäftsbeziehungen die wirtschaftliche Relevanz Chinas für Unternehmen aus dieser Region. Die wirtschaftliche Verflechtung Vorarlbergs mit Japan beruht auf der robusten Nachfrage nach innovativen und hoch qualitativen Produkten.

„Huckepack-Export“
Ein erheblicher Teil des Handels zwischen Vorarlberg und Ostasien fließt durch die Anrainerstaaten – sogenannter „Huckepack Export“. Unternehmen, insbesondere KMUs aus der Region, profitieren von der noch stärkeren Verzahnung der deutschen Industrie mit dem ostasiatischen Wirtschaftsraum. Auch Vorarlberg ist als Ziel von Direktinvestitionen interessant. Gerade Hightech Firmen sind ein begehrtes Akquisitionsziel.

Über die EAMSA 2019 an der FH Vorarlberg
Die Konferenz schärft das Bewusstsein für die Relevanz Ostasiens und erweitert bestehende Netzwerke in der Bodenseeregion. Sie dient als Plattform, die sich weiterhin für die wachsende wirtschaftliche, aber auch geopolitische Bedeutung Ostasiens für die Bodenseeregion auseinandersetzt. Dieser wertvolle Erfahrungsaustausch trägt zur Wettbewerbsfähigkeit der Bodenseeregion bei.

Bildnachweis: Keynote Sprecher des Impulsabends “Eyes on Asia” an der FH Vorarlberg, von links nach rechts Sascha Singer, thyssenkrupp Presta AG; Mag. Stefan Fitz-Rankl, FH Vorarlberg; Mag. Clemens Machal, AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA/WKO; Prof. Dr. Markus Taube, Universität Duisburg-Essen; Prof. (FH) PD Dr. Sierk Horn, FH Vorarlberg;  Rektorin Prof. (FH) Dr. Tanja Eiselen, FH Vorarlberg; Prof. Dr. Alexander Zimmermann,  Universität Liechtenstein; Prof. Dr. Markus Rhomberg, Internationale Bodensee-Hochschule IBH und Dipl.-Geogr. Wolfram Auer, Doppelmayr Seilbahnen GmbH


Data-Science-Instrumente in Unternehmen

Umfrage des IBH-Lab KMUdigital

Ein zentrales Charakteristikum der Digitalisierung ist der Überfluss an Daten, die Unternehmen zur Verfügung stehen. „Big Data“, „Data Science“ oder „Data Analytics“ kann bei einer geschickten Nutzung gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu einem entscheidenden Element im Wettbewerb werden. Viele Unternehmen stehen aber erst am Anfang der gezielten Gewinnung, Analyse und Nutzung von Daten.

Die Forschungspartner des Projekts Data4KMU entwickeln im Rahmen des IBH-Labs KMUdigital mit und für KMU einfach anwendbare Data Science Instrumente für den direkten Einsatz in Produkten, Services und den damit verbundenen Geschäftsprozessen. Um den Status Quo und die daraus abzuleitenden Bedarfe der KMU zu ermitteln, bittet das Projektteam um Ihre Unterstützung und die Teilnahmen an einer Befragung. Im Rahmen dieserUmfrage werden folgende Fragen genauer beleuchtet:

Welche Möglichkeiten und Herausforderungen sind mit Daten verbunden?
Und wie können Unternehmen diese zielführend nutzen?

Dazu benötigen wir etwa 15 Minuten Ihrer Zeit zur Beantwortung einiger Fragen unter diesem Link

Die Befragung ist bis zum 30.11.2018 geöffnet.

Fragen zum Projekt und zur Befragung: kmu-digital@zhaw.ch.


Europäische Hochschulinitiative am Bodensee

Im Vorfeld der Landtagswahlen am 13. Oktober hat in Vorarlberg eine Debatte über die Beteiligung an der Europäischen Hochschulinitiative begonnen. Wir wollen an dieser Stelle Informationen zu dieser Initiative geben und den Stand der öffentlichen und politischen Debatte dazu und einer möglichen Beteiligung der IBH an diesem Programm dokumentieren.

Was ist die Europäische Hochschulinitiative?

Die Europäische Hochschulinitiative umfasst alle Arten von Hochschuleinrichtungen. Sie entspricht einer langfristigen Vision. Folgende Schlüsselelemente einer „Europäischen Hochschulen“ werden bis 2025 erwartet:

  1. Eine gemeinsame, integrierte, langfristige gemeinsame Strategie für Bildung mit Verbindungen zu Forschung und Innovation und zur Gesellschaft insgesamt
  2. Ein europäischer, „interuniversitärer“ Hochschulcampus
  3. Europäische wissensbildende Teams von Studierenden und Wissenschaftlern – stellen sich gemeinsam gesellschaftlichen und anderen Herausforderungen ihrer Wahl in einem multidisziplinären Ansatz
  4. Darüber hinaus sollen „Europäische Hochschulen“ als Vorbilder für bewährte Praxis die Qualität, die internationale Wettbewerbsfähigkeit und die Attraktivität der europäischen Hochschullandschaft schrittweise weiter steigern und durch die Förderung von wissenschaftlicher Spitzenleistung eine tragende Rolle im europäischen Bildungsraum einnehmen.

Ziel dieses Förderprogramms sind Hochschulallianzen, die die Stärken und die Vielfalt europäischer Forschung und Lehre in neuen Strukturen bündeln sollen, um den Herausforderungen, mit denen Europa konfrontiert ist, zu begegnen. Sie verfolgt dabei insbesondere ein grundsätzliches Ziel: Verbesserte Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Hochschulsystems mit einem starken Wissensdreieck aus Bildung, Forschung und Innovation durch eine substantielle Erhöhung/ Verbesserung der Qualität, der Leistungen und der Attraktivität von europäischen Hochschulen.

Zur Erreichung dieses Ziels wird die EU-Kommission in der Nachfolgegeneration von Erasmus+ ab 2021 eine neue Förderlinie initiieren. Zur Vorbereitung gibt es im Rahmen des Erasmus+ Programms eine erste Pilotausschreibung „Europäische Hochschulen“ für das Jahr 2019. In der ersten Pilotrunde wurden 17 Allianzen mit 114 Hochschulen aus 24 EU-Mitgliedsstaaten gefördert. In der Pilotphase wird jede Allianz für 3 Jahre mit max. 5 Millionen Euro gefördert. Die zweite Pilotausschreibung wird im Rahmen des nächsten Erasmus+ Aufrufs im Herbst veröffentlicht. Antragsfrist wird voraussichtlich im Februar 2020 sein.

Die IBH und die Europäische Hochschulinitiative

Die IBH ist der grösste hochschulartenübergreifende Verbund Europas. Unter dem Dach der IBH arbeiten 30 Hochschulen aus Deutschland, Liechtenstein, Österreich und der Schweiz in Forschung, Lehre und Transfer zusammen. Die IBH unterstützt grenzüberschreitende Forschungsprojekte zu gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen des Bodenseeraums. Sie koordiniert den Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis, fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs, ermöglicht Innovationen in der Lehre und unterstützt gemeinsame Angebote der Hochschulservices. Mit ihren Projekten leisten die IBH und ihre Mitgliedshochschulen einen international sichtbaren Beitrag für das regionale Innovationssystem Bodensee. Die IBH mit 30 Mitgliedshochschulen aus vier Ländern hat in ihrer knapp 20jährigen Tätigkeit ideale Startvoraussetzungen für eine Beteiligung an der Europäischen Hochschulinitiative geschaffen. Sie trägt, so ist es in der 5. Leistungsvereinbarung 2018-2021 formuliert, «wirkungsvoll und nachhaltig zur Weiterentwicklung des Lebens-, Wirtschafts-, Bildungs- und Wissenschaftsraums der Region Bodensee bei».

Die Bodenseeregion und die IBH verfügen für eine Bewerbung über exzellente Ausgangsbedingungen:

  1. Individuelle Qualitäten der IBH-Mitgliedshochschulen: Beteiligung an EU-Programmen, aber auch nationalen Initiativen, zum Beispiel Exzellenstrategie Deutschland
  2. Individuelle Qualitäten der beteiligten Länder und Kantone: hohe Innovations- und Wirtschaftskraft in den einzelnen Teilregionen (z.B. Baden-Württemberg, Bayern, Liechtenstein, St. Gallen, Vorarlberg, Zürich)
  3. Exzellente Erfahrungen in der grenzüberschreitenden Kooperation am Bodensee im Rahmen der IBK (seit 1971) und der IBH (seit 2000): Diese Initiative würde auf funktionierende grenzüberschreitende Governancestrukturen und Institutionen in Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft aufbauen

Mit Blick auf die erfolgreichen Allianzen aus der Pilotphase könnte insbesondere die Passung der IBH mit ihren grenzüberschreitenden Strukturen in einer internationalen Grenzregion mit angeschlossener politischer Governancestruktur der Internationalen Bodenseekonferenz IBK und, neben dem gemeinsamen Hochschulraum, weiteren gemeinsamen Aktivitäten insbesondere im Bereich von Wirtschaft und Innovationsförderung ein grosser Vorteil in einer Antragstellung sein. Sie könnte den Vorteil nutzen, eben kein virtuelles, über ganz Europa verteiltes Netzwerk zu sein sondern als ein in der Region verankerter Verbund zu arbeiten. Zudem erfüllt die IBH bereits heute weite Teile der Pilotausschreibung.

Diese Voraussetzungen haben auch dazu geführt, dass die IBH in ihrer Strategie 2022-2025 die Thematik der Europäischen Hochschulinitiative als strategische Option aufgenommen hat. Diese Strategie – inklusive der strategischen Option einer Antragstellung als European University – ist vom Kooperationsrat der IBH und mit der IBK-Kommission Bildung, Wissenschaft, Forschung akkordiert. Der Kooperationsrat ist die Versammlung der RektorInnen aller 30 IBH-Mitgliedshochschulen; in der IBK-Kommission sind alle zehn Mitgliedsländer und -kantone der Internationalen Bodensee-Konferenz vertreten.

Herausforderungen

Die Europäische Hochschulinitiative wird im Rahmen des Erasmus-Programms finanziert. Antragsberechtigt sind ausschliesslich Hochschulen aus Erasmus-Mitgliedsländern. Die Schweiz ist derzeit nicht antragsberechtigt. Sollte sich dieser Status auch in der nächsten Erasmus-Förderperiode 2021-2027 nicht verändern, könnte auch zu überlegen sein, die Grundkonzeption der Europäischen Hochschulinitiative mit alternativen Organisations- und Finanzierungsmodellen auf die Spezifik der internationalen Bodenseeregion anzupassen.

Die IBH wird im Gespräch mit dem Kooperationsrat, der IBK-Kommission Bildung, Wissenschaft, Forschung, der IBK sowie VertreterInnen der IBK-Länder in Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ausloten, inwieweit eine Bewerbung ins Auge gefasst werden kann und ggf. welche alternativen Szenarien anzudenken wären.

Debatte zur Europäischen Hochschulinitiative

Im Vorfeld der Landtagswahlen am 13. Oktober hat in Vorarlberg eine Debatte über die Beteiligung an der Europäischen Hochschulinitiative begonnen. Die regierende ÖVP zeigt sich der Idee gegenüber offen, die Grünen als kleiner Regierungspartner forcieren das Thema. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann begrüßte die Initiative bei einem Vorarlberg-Besuch ausdrücklich. 

Die Diskussion um eine eigene Universität in Vorarlberg reicht bis in die 1970-er Jahre zurück. Die SPÖ und führende Intellektuelle forderten damals die Einrichtung einer „Landesuniversität“, die mit absoluter Mehrheit regierende ÖVP lehnte ab. Sie setzte auf primär berufsbildende Einrichtungen wie das Vorarlberger Landeskonservatorium (Gründung 1977), die Fachhochschule (1993) oder die Pädagogische Hochschule (2007). Alle drei sind Mitglieder der IBH, von deren Gründung 1999 sich Vorarlberg ebenfalls bessere Zugänge zu universitären Einrichtungen versprach.

Die Diskussion um eine Universität für Vorarlberg ist seither nie ganz verstummt. Neuen Schwung erhielt sie durch die Initiative des französischen Präsidenten Emanuel Macron, der 2017 die Gründung Europäischer Universitäten vorschlug. Die EU-Kommission setzt diese Idee nun im Rahmen der Europäischen Hochschulinitiative als neue Förderlinie in der Nachfolgegeneration von Erasmus+ ab 2021 um.

Kooperation statt Volluniversität

Im Frühjahr 2019 nahm die Diskussion Schwung auf: Auf Anfrage des ORF begrüßte die damalige Präsidentin der österreichischen Universitätenkonferenz, Eva Blimlinger die Ausarbeitung eines Konzepts für eine Europäische Universität. Sie basiere auf der Kooperation bestehender Einrichtungen. „Man ist in einem universitären Verbund drinnen, ohne eine eigene Universität zu haben. Das wäre der große Vorteil für Vorarlberg“, sagte Blimlinger.

Die Grünen nahmen den Ball auf: Ihr Bildungssprecher Daniel Zadra verlangte in einem Gastkommentar für die Monatszeitung Thema Vorarlberg „Mut und Ambitionen“ für den Bildungsstandort: „Eine gemeinsame Europäische Universität ist eine einzigartige Chance für Vorarlberg.“ Sie könne das fehlende Promotionsrecht bringen, Mankos in der Forschung ausgleichen und werde die Bodenseeregion im Wettbewerb um die besten Fachkräfte Europas stärken.

Europäische Universität als Option

Nach einer gemeinsamen Pressekonferenz Zadras mit Blimlinger am 25. August berichteten alle großen Vorarlberger Medien ausführlich über die „Grünen Visionen einer europäischen Hochschule“ („Vorarlberger Nachrichten“). In einem ganzseitigen Interview mit der NEUEN Vorarlberger Tageszeitung befürwortete auch IBH-Vorsitzender Sebastian Wörwag die Idee: „Ich bin der Meinung, dass das Land (Vorarlberg, Anm.) durch die Kooperation im Rahmen der Europäischen Hochschulinitiative stark an Attraktivität gewinnen könnte.“ Die IBH setze sich mit der Europäischen Hochschulinitiative bereits auseinander, eine Bewerbung für eine Europäische Universität sei „jedenfalls eine Option“.

Nur vier Tage später kündigte Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) einen „Masterplan“ für die Weiterentwicklung der Fachhochschule Vorarlberg an. Er wolle in den nächsten Jahren bis zu 100 Millionen Euro investieren, um Dornbirn zum Innovationszentrum Vorarlberg zu machen, sagte der Regierungschef den Vorarlberger Nachrichten. Es gebe dazu auch „konkrete Vertragsverhandlungen“ mit der Universität St. Gallen (HSG). Ziel sei „ein Vorarlberger HSG-Campus, nach Vorbild eines Ablegers, den es bisher nur in Singapur gibt“, zitieren die Vorarlberger Nachrichten Wallner.

Kretschmann als Unterstützer

Viel Beachtung fand schließlich die Äußerung von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei seinem Vorarlberg-Besuch am 9. September: Er plädierte für eine Intensivierung der länderübergreifenden Zusammenarbeit: „Ich begrüße die Idee einer europäischen Universität im Bodenseeraum. Nur mit echten europäischen Universitäten haben wir im globalen Wettbewerb überhaupt eine Chance.“ Mit der Internationalen Bodensee-Hochschule gebe es am Bodensee schon „eine Art Vorläufer“.

Die Vorarlberger Grünen sahen sich in ihrer Initiative bestärkt, Bildungssprecher Daniel Zadra forderte rasches Handeln: „Nach dem Bekenntnis von Baden-Württemberg sollte Vorarlberg sofort die Gespräche suchen.“ Landesrätin Barbara Schöbi-Fink, in der Vorarlberger Landesregierung für Bildung zuständig, äusserte sich dazu folgendermassen: „Das ist eine sehr visionäre Idee, aber ich weiß noch nicht genau, was der Mehrwert wäre.“

Regierungschef will prüfen

Regierungschef Markus Wallner hingegen hat das Thema weiterhin auf seiner Agenda: Es werde eine Aufgabe für den Vorsitz Vorarlbergs in der Internationalen Bodenseekonferenz im Jahr 2020 sein, die Europäische Hochschulinitiative zu prüfen, sagte Wallner im Interview mit Vorarlberg Online, dem größten Webportal des Landes: „Die Frage wird sein: Kann aus dieser Internationalen Bodensee-Hochschule mehr werden?“

Dort stellte der Regierungschef seine Initiative für den Ausbau der Fachhochschule Vorarlberg in den Vordergrund, ergänzte aber auf Nachfrage: „Den Fuß in die universitäre Landschaft hineinzubekommen, ist schon ein Thema für die Zukunft. Dies wollen wir aber eher im Sinne von Kooperationen machen.“ Die Strategie Vorarlbergs müsse „klar formuliert werden: Die FH Vorarlberg weiter ausbauen und gleichzeitig Universitäres eher durch Kooperationen suchen. Und in beiden Bereichen muss man sich voll engagieren.“

Österreich wählt am 29. September einen neuen Nationalrat, also das Bundesparlament. Zwei Wochen später, am 13. Oktober 2019, wählt das Bundesland Vorarlberg seinen neuen Landtag. Derzeit regiert in Vorarlberg eine Koalition aus ÖVP und Grünen.

 

Weitere Texte zu diesem Thema

Doch noch eine Universität?
Kommentar von Walter Fink / Vorarlberger Nachrichten / 13.09.2019
In regelmäßigen Abständen wird in Vorarlberg seit Jahrzehnten das Thema einer Universität diskutiert. Diesmal war es der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Wilfried Kretschmann, bei seinem Besuch in Vorarlberg.

Die Europäische Bodenseeuniversität: Ein Zukunfts-, nein ein Gegenwartsvorhaben
Kommentar von Eva Blimlinger / Thema Vorarlberg / September 2019
Braucht Vorarlberg eine Universität? Ja, unbedingt, eine europäische Universität, die Internationale Bodenseehochschule als bereits jetzt größter hochschulartenübergreifender Verbund im Zentrum mit weiteren Universitäten und Hochschulen aus mehreren Ländern Europas. Eingereicht werden sollte das bei der nächsten EU-Ausschreibung Ende 2019 oder 2020.

Wie Visionen konkret werden können.
Kommentar von Markus Rhomberg / Thema Vorarlberg / Mai 2019
Vorarlberg braucht eine eigene Universität? Vorarlberg hat bereits eine Universität! Sie staunen? Die Vorarlberger Hochschulen sind bereits seit Jahren Teil der Internationalen Bodensee-Hochschule (IBH), sie arbeiten in diesem grenzüberschreitenden Verbund eng mit den Universitäten Konstanz, St. Gallen, Liechtenstein und Zürich sowie insgesamt 30 anderen Hochschulen zusammen.


Fake News: Nachholbedarf bei Informationskompetenz von Jugendlichen im Bodenseeraum

Jugendliche aller Bodensee-Anrainerländer haben Nachholbedarf bei der Recherche und Bewertung von digitalen Informationen. Wikipedia und Youtube sind die wichtigsten Quellen für Hausaufgaben und Referate. Das ist das Ergebnis einer Studie der Internationalen Bodensee-Hochschule mit den Universitäten St. Gallen und Liechtenstein sowie den Pädagogischen Hochschulen Vorarlberg und Weingarten. Die ExpertInnen haben einen Online-Kurs entwickelt und fordern Maßnahmen in der Lehrerbildung sowie im Unterricht.

Fake News – gezielte Falschmeldungen also – bedrohen die Demokratie. Doch eine aktuelle Studie der IBH zeigt: Gerade Jugendliche, die mit den Möglichkeiten von sozialen Netzwerken und des Internets aufwachsen, verlassen sich leichtfertig auf die Ergebnisse einfacher Google-Recherchen. Für das Projekt „Messen und Fördern der Informationskompetenz von Digital Natives im Bodenseeraum“ befragten die Universitäten St. Gallen und Liechtenstein sowie die Pädagogischen Hochschulen Vorarlberg und Weingarten 434 Schülerinnen und Schüler. Die Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren kamen aus Baden-Württemberg, Vorarlberg, Liechtenstein und der Ostschweiz.

„Die Ergebnisse bestätigen unsere Befürchtungen, dass Jugendliche online verfügbare Informationen nutzen, ohne die Qualität oder Herkunft zu hinterfragen“, schildert Projektleiterin Katarina Stanoevska-Slabeva, Professorin am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen. „Mehr noch: Die Jugendlichen schätzen sich bezüglich ihrer Informationskompetenz besser ein, als sie tatsächlich sind. Es fehlt ihnen das Bewusstsein für das Thema.“

Wikipedia und Youtube als Quellen

Für die Schule nützen Jugendliche in allen vier Bodensee-Anrainerstaaten vor allem Wikipedia (88 Prozent) und Youtube (69 Prozent). Blogs und andere Plattformen spielen mit 14 beziehungsweise 20 Prozent eine untergeordnete Rolle. Auch von den LehrerInnen werden im Unterricht vor allem Wikipedia und Youtube eingesetzt. WhatsApp wird von über 90 Prozent der Jugendlichen zum Austausch mit MitschülerInnen über den Schulstoff verwendet, auch Hausarbeiten werden häufig hochgeladen. Rund ein Drittel kommunizieren auch mit ihren Lehrpersonen über WhatsApp.

Relevante Unterschiede zwischen den Ländern gibt es laut der „Digital Natives“-Studie nicht: „Die Ergebnisse sind überall ähnlich“, schildert Stanoevska-Slabeva. Wenig Unterschiede zeigten die SchülerInnen auch in ihrer Selbstüberschätzung: Die von den WissenschaftlerInnen errechnete objektive Informationskompetenz liegt in allen Ländern unter der eigenen Einschätzung („subjektive Informationskompetenz“).

Gezielte Maßnahmen wichtig

Die an der Studie beteiligten WissenschaftlerInnen sind sich einig: Der Umgang mit Informationen ist eine Schlüsselkompetenz für unsere Gesellschaft, aber auch für unsere Wirtschaft. Informationskompetenz ist von der Bedeutung für das Leben und Arbeiten in einer digitalen Gesellschaft „vergleichbar mit dem Programmieren“. Bei vielen LehrerInnen gebe es wenig Bewusstsein für das Thema. Es liege vorwiegend am einzelnen Lehrer, ob es im Unterricht thematisiert werde, so der ernüchternde Befund.

„LehrerInnen sind teilweise unsicher, in welcher Form sie digitale Informationskompetenz an die SchülerInnen weitergeben können“, weiß Martina Ott von der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg, eine der Mitautorinnen der Studie. Sie ist überzeugt: „Informationskompetenz muss verstärkt Teil der Aus-, Fort- und Weiterbildung von LehrerInnen werden.“ Auch im Unterricht müsse das Thema gezielt verankert werden: „Die Lehrpläne sollten erweitert werden, es sollte detaillierte Ziele für die verschiedenen Schulstufen geben“, betont Ott. „Keines der Anrainerländer sieht Informationskompetenz als großes Thema, überall ist es nur ein kleiner Teil des Unterrichts“, hebt Katarina Stanoevska-Slabeva hervor.

Online-Kurs als Chance

Eine gute Möglichkeit sehen die Beteiligten aller vier Hochschulen im Angebot eines Online-Kurses zum Thema. Eine erste Version eines solchen „Massive Open Online Course“ (MOOC) haben die vier Hochschulen im Rahmen des Projekts entwickelt. Er enthält Erklärvideos und Lernmaterialien, Arbeitsaufträge und ein Quiz zur Überprüfung des Lernerfolgs. LehrerInnen können Module auswählen und im Unterricht einsetzen.

Der MOOC wurde in sechs Klassen in Deutschland und Österreich getestet. Das Ergebnis ist ermutigend: „Die SchülerInnen haben etwas über digitale Quellen, die effiziente Suche und die Evaluation von Informationen dazugelernt“, freut sich Projektleiterin Katarina Stanoevska-Slabeva. Auch bei den Lehrpersonen sei das Bewusstsein gewachsen.

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