Eine Bodensee-Asien-Verbindung schaffen

15. Juli 2020

Die Relevanz Asiens in der internationalen Bodenseeregion für Wirtschaft und Gesellschaft schärfen will das IBH-Projekt Asia Observatory. Dafür will das Projektteam um Prof. Dr. Sierk Horn die Expertise der Hochschulen aus der Bodenseeregion mit Entscheidungsträger*innen in der Region verknüpfen und Austauschplattformen mit Asien entwickeln. Gleich fünf Hochschulen aus der Vierländerregion Bodenseeregion haben sich dazu zusammengeschlossen: FH Vorarlberg, HTWG KonstanzZHAW Winterthur, die Hochschulen Kempten und Albstadt-Sigmaringen, sowie die Universitäten Liechtenstein und Zürich. Wir haben mit dem Projektleiter gesprochen.

Warum braucht es in der Bodenseeregion eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Wirtschaftsraum Asien?

Als exportorientierte Region oft hoch entwickelter Nischenprodukte und -dienstleistungen haben Ungewissheiten rund um Auslandsaktivitäten sicherlich eine besondere Tragweite. Auch wenn der Wirtschaftsraum Asien hier eine zunehmend wichtige Rolle in der Vierländerregion Bodensee einnimmt, tun sich Unternehmen und Wirtschaftsverbände vor Ort oft schwer, zu definieren, was mit den Berührungspunkten nach und aus Asien einhergeht. Die Coronavirus-Pandemie bedeutet für viele Branchen einen gleichzeitigen Angebots- und Nachfrageschock und verstärkt den Bedarf nach Orientierungshilfen. Gerade in Zeiten radikaler Unsicherheit ist mehr Klarheit über die Wirtschaftsregion Asien notwendiger denn je.

Wissen liegt oft in Netzwerken verborgen. Unsere Asia-Observatory-Initiative bringt WissenschaftlerInnen und SpezialistInnen zusammen, und macht damit die in der Bodenseeregion natürlich vorhandene aber sehr verstreute Expertise sichtbar. Wir bieten eine Plattform für wirtschaftliche EntscheidungsträgerInnen und WissenschaftlerInnen aus der Bodenseeregion. Wir wollen einen signifikanten Wissenstransfer fördern und Netzwerkpartnern und anderen an Asien Interessierten die Möglichkeit zu einem regelmässigen und aktiven Informations- und Erfahrungsaustausch geben.

Was sind die Ziele des Projekts und wie wollen Sie diese erreichen?

In drei miteinander verknüpften Teilprojekten wollen wir Asien-Expertise zugänglich machen, EntscheidungsträgerInnen aus der Bodenseeregion die Möglichkeit zum Gedankenaustausch geben, und so Impulsgeber für die Bodenseeregion sein:

Berührungspunkte mit „Asien: Damals“: Das Teilprojekt „Asien: Damals“ betrachtet die Entwicklung der Wirtschaftsbeziehung mit Asien im Zeitlauf. Ein besseres Verständnis dessen, was war, wird uns auf das vorbereiten, was kommt. Die Beziehungen mit Asien im Bodenseeraum variieren nach historischer Einbettung. Wir werden die Ursachen und Hintergründe des Auslandsgeschäfts mit Asien beleuchten. Konkret werden die in Wirtschafts- und Unternehmensarchiven verwahrten Originalquellen auf die Rolle Asiens als Partner, Wettbewerber oder Innovator durchsucht, strukturiert und in die Öffentlichkeit gebracht.

Berührungspunkte mit „Asien: Heute“: Auch zu 2020 wollen wir komprimiert zu aktuellen asienbezogenen Themen, etwa dem Anstieg von Direktinvestitionen oder Geschäftspraktiken und Management, informieren. Das bereits im Rahmen der EAMSA-Konferenz in Dornbirn 2019 erfolgreiche Format des Networking-Dinners tragen wir weiter und werden über die Bodenseeregion verteilt „Eyes on Asia“ Events in Dornbirn, Kempten, Konstanz, Vaduz und Zürich organisieren. Darüber hinaus haben wir bereits auf das wachsende Bedürfnis von Unternehmen nach Anregungen im Umgang mit Covid-Widrigkeiten reagiert und mit der Podcast-Serie “Resilientes Asien“ einen Kanal geschaffen, welcher das aktuelle Wirtschaftsgeschehen beleuchtet.

Berührungspunkte mit „Asien: Morgen“: Die beispiellose Flut technischer, industrieller und sozialer Innovationen wird auch die Zukunft der Bodenseeregion verändern. In Asien sind die Folgen der Digitalisierung oftmals spürbarer als anderswo. Dieses Teilprojekt blickt auf Lösungsansätze und wird neueste Überlegungen aus Asien (oder solche die noch im Entstehen sind) abbilden. Was zählt, sind überraschende Ideen und, damit verbunden, neue Impulse aus Asien in die Bodenseeregion hinein. Im Rahmen eines Sandkasten-Workshops können sich Teilnehmende ein Bild der vielfältigen digitalen Landschaften Asiens machen und diese in Breakout-Sessions diskutieren.

Was muss gelingen, damit Sie das Projekt nach Abschluss als erfolgreich bezeichnen würden?

Die Joint-venture Partner haben sich zum Ziel gesetzt, die Wahrnehmung „Asiens,“ trotz der großen physischen und emotionalen Distanz, als wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Bodenseeregion zu stärken. Nur wenn Organisationen und Akteure in ihnen bereit sind, nicht nur über, sondern auch von Asien zu lernen, kann sich die Bodenseeregion zukunftsfähig aufstellen. In einer Welt, die sowohl zunehmend miteinander verbunden als auch zunehmend fragmentiert ist, sind die Initiativen ein Angebot, ein Gespür dafür zu entwickeln, wie Dinge aus asiatischer Perspektive getan werden. Basierend auf dieser Vision haben wir für uns die drei Themenbereiche „Asien Damals“ (sich selbst besser kennen lernen); „Asien Heute“ (über Asien lernen) und „Asien Morgen“ (von Asien lernen) definiert.

Uns wäre es wichtig, möglichst viele EntscheidungsträgerInnen zur Teilnahme an den Veranstaltungen zu bewegen und damit ein nachhaltiges Netzwerk aus Industrie, Politik und Interessenverbänden auszubauen. Über diesen praktischen Beitrag hinaus soll im Laufe des Projektes ein Verständnis der komplexen Herausforderungen rund um die Berührungspunkte der Bodenseeregion mit Asien geschaffen werden. Dies wird uns sodann ermöglichen, innovative Themen mit hoher Relevanz für die Bodenseeregion zu belegen und Folgeinitiativen auf den Weg zu bringen.