Grenzüberschreitende LehrerInnenbildung

7. Februar 2020
 
Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der LehrerInnenbildung vorantreiben, will das IBH-Projekt Trinationale LehrerInnenbildung. Es wird getragen von den Pädagogischen Hochschulen Weingarten, St. Gallen und Vorarlberg. Wir mit Projektleiter Bernd Reinhoffer über die Ziele der Zusammenarbeit und den Mehrwert der grenzüberschreitenden Kooperation in der Bodenseeregion gesprochen.
 
Was sind die Ziele des Projekts?

Die Bodenseeregion bietet grenzüberschreitend eine Reihe von profilierten Pädagogischen Hochschulen mit jeweils eigenen Kompetenzbereichen. Diese Kompetenzprofile komplementär und gewinnbringend für die gesamte LehrerInnenbildung im Bodenseeraum nutzbar zu machen, ist das gemeinsame Anliegen der PH Weingarten, der PH St. Gallen und der PH Vorarlberg. Unser übergeordnetes Ziel ist die Professionalisierung der LehrerInnenbildung voranzutreiben. Dazu nutzen wir die Ressourcen und Kompetenzprofile der drei PHs und schaffen einen gemeinsamen Expertise-Pool.

Warum braucht es insbesondere in der LehrerInnenbildung ein grenzüberschreitendes Angebot?

Berührungspunkte und Kooperationen zwischen den drei beteiligten PHs wurden bisher zwar vielfach gewünscht und postuliert, erfolgten aber eher sporadisch über Einzelprojekte. Die nun durch die IBH unterstützte trinationale, systematische Kooperation kann vorbehaltlos erfolgen, da wir drei Partner nicht in Konkurrenz (zum Beispiel hinsichtlich Studierendenzahlen oder nationalen Fördermitteln) zu einander stehen. Gleichzeitig ist aber durch unsere räumliche Nähe, ähnliche Gegebenheiten vor Ort und begrenzte Ressourcen eine Synergie bringende Kooperation zur gezielteren Professionalisierung unserer Studierenden in der LehrerInnenbildung von höchstem Nutzen.

Eine Internationalisierung bezieht sich dabei sowohl auf Lehre und Forschung: auf die Weiterentwicklung von Curricula, auf die Entwicklung von Kooperationen und Kollaborationen mit ausländischen Hochschulen und Universitäten, auf Austausch- und Förderprogramme sowie Mobilitätsprogramme. Neben einem erziehungswissenschaftlichen und fachlichen Lehraustausch sollen insbesondere standortspezifische Stärken für die Kooperationen genutzt werden. So stellt zum Beispiel das von der PH St. Gallen betriebene Modell von Regionalen Didaktischen Zentren ein Beispiel für die Integration der ersten und der dritten Phase der LehreInnenbildung dar, das für die Weiterentwicklung der Angebote in der Aus- und Weiterbildung an den anderen Standorten von großem Interesse ist.

Wie geht das Projekt konkret vor?

Unser Projekt umfasst mehrere Einzelmaßnahmen. Zunächst bauen wir in der LehrerInnenbildung für die Primarstufe einen gemeinsamen Expertise-Pool auf. Anknüpfend an erste Erprobungen mit gemeinsam durchgeführten Projektwochen (Chorprojekt, Bildungsprojekt) sollen gemeinsame Veranstaltungsformate (weiter-)entwickelt und einer größeren Gruppe von Studierenden der beteiligten Hochschulen zugänglich gemacht werden. Unter dem Schlagwort „Synergien in der Lehre“ sollen zudem bereits vorhandene Lehrangebote für die jeweils anderen PHs nutzbar gemacht werden.

Ferner geht es um die Verbesserung und Systematisierung der Anerkennung von Studienleistungen zur Steigerung der Studierendenmobilität sowie das Streamen von Lehrveranstaltungen um diese für Studierende der jeweils anderen PHs digital öffnen zu können. Perspektivisches Ziel ist ein Modellprojekt, das aufzeigt, wie aufbauend auf der gemeinsamen Sprache der Bodenseeregion das Studienangebot der Hochschulen der Region für Studierende anderer Hochschulen geöffnet werden und so weiter Synergien genutzt werden können. Entsprechendes Weiterentwicklungspotential liegt zum Beispiel im Ausbau der Lehrendenmobilität.

Was muss gelingen, damit Sie das Projekt nach Abschluss als erfolgreich bezeichnen würden?

Unsere Vision: Eine gegenseitige Ergänzung in den jeweiligen Spezialisierungen ist für alle drei Hochschulen effizient und Ressourcen schonend und wird daher auch finanziell von den drei Hochschulen über das Projektende hinaus unterstützt, so dass eine Nachhaltigkeit der Projektergebnisse gesichert ist. Zur Verstetigung und Ausweitung der gemeinsamen Aktivitäten sind zwischen den beteiligten Hochschulen formelle gemeinsame Strukturen geschaffen, beginnend mit dem Abschluss eines trilateralen Kooperationsvertrags.