IBH-Lab Seamless Learning: Tagung zu Writing Analytics als neues Forschungsgebiet

An der gut besuchten Internationalen Konferenz zu Writing Analytics diskutierten die Teilnehmenden über neue Schreibtechnologien, Forschungsergebnisse und deren didaktischen Anwendungen.

Von Christian Rapp

Gemäss Keynote-Redner Till A. Heilmann setzte die Digitalisierung des Schreibens anfangs der 80er Jahre ein und befreite die Literalität Schritt für Schritt aus dem Griff der medialen Gutenberg Galaxis. Neue Textverarbeitungsprogramme, die teure Computer in digitale Schreibmaschinen verwandelten, brachten diesen Stein ins Rollen. Heutige Treiber der neuen Schreibtechnologie sind vor allem die neuen Analyseverfahren (z. B. Natural Language Processing, Latent Sentiment Analysis, Machine Learning). Diese Analyseverfahren können grosse Mengen an Schreibprozessdaten und Textkorpora, die mit Cloud Computing generierten werden, verarbeiten und deren Ergebnisse den Schreibenden wieder zur Verfügung stellen. Über 80 Teilnehmende besuchten am 5. und 6. September 2019 die achte Internationale Konferenz zu Writing Analytics in Winterthur. Die Departemente Angewandte Linguistik und Management and Law waren gemeinsame Ausrichter.

Writing Analytics, das einen deutlichen Bezug zu dem bereits etwas länger etablierten Feld der Learning Analytics aufweist, lässt sich nach Buckingham Shum et al. (2016, S. 481) wie folgt definieren: Writing Analytics “involve the measurement and analysis of written texts for the purpose of understanding writing processes and products, in their educational contexts. Writing analytics are ultimately aimed at improving the educational contexts in which writing is most prominent.”. Anknüpfungspunkt für uns als Ausrichter war die Entwicklung von Thesis Writer, einem Schreibtool der neusten Generation, das verschiedene Formen digitaler Unterstützung zur Textherstellung anbietet und derzeit im Rahmen des von der IBH bzw. von der EU geförderten Projekts Seamless Learning gefördert wird.

Postersession – NLP Methods in Arts Management (Mark Cieliebak, Diana Betzler)

Postersession – NLP Methods in Arts Management (Mark Cieliebak, Diana Betzler)

Auch andere Projekte der ZHAW wurden vorgestellt, u.a. von einer Forschungskooperation an der ZHAW (Dept. T und Dept. W) mit weiteren Partnern, die Writing Analytics Techniken nutzt, um z. B. Vermarktung und Bewerbung im Bereich des Arts Management zu optimieren (siehe Foto). Eine Arbeitsgruppe aus dem Dept. T berichtete von automatischer Textgenerierung, die bereits im Bereich Sportnachrichten von Schweizer Zeitungen eingesetzt wird und deren Produkte von menschengeschriebenen Texten praktisch nicht zu unterscheiden sind. Automatische Textgenerierung, die die Schreibenden nicht nur unterstützt, sondern ihnen ganz die Arbeit abnimmt, gehört wohl zu den nächsten Innovationen der Digitalisierung.

Ziel der Veranstaltung war es, vor dem Hintergrund der technischen Entwicklungen die möglichen Konsequenzen für Forschung, Lehre und Praxis gemeinsam einzuordnen. Dazu beigetragen haben unter anderem die drei Keynote-Präsentationen von Mike Sharples (Institute of Educational Technology at The Open University London), Elena Cotos (Iowa State University) und Till Heilmann (Universität Bonn), deren Folien teilweise verfügbar sind. Die Weiterentwicklung der Forschungsagenda und bessere Synchronisierung zwischen schweizerischen, europäischen und den nordamerikanischen Teams wurden in der Abschlussdiskussion thematisiert. Geplant sind neben einem von der SNF geförderten Expertentreffen ein pre-conference Workshop auf der nächsten internationalen Learning Analytics and Knowledge Conference im März 2020 in Frankfurt.

Die Veranstaltung fand im Rahmen des IBH-Labs Seamless Learning statt. Die IBH-Labs werden aus Mitteln des Interreg-Programms Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein gefördert.