IBH-Regionalprojekt Surveypool

3. Mai 2018

Die zunehmende Zusammenarbeit von Kommunen und Unternehmen in der Bodenseeregion geht einher mit einer stärkeren wissenschaftlichen Kooperation der Hochschulen in der Bodenseeregion, die nicht zuletzt durch die IBH gefördert wird. Daraus ergibt sich ein stärkeres Interesse für regionale Probleme und Fragstellungen. Um diese fundiert bearbeiten zu können, bauen die Universitäten Konstanz und St. Gallen von der IBH unterstützt ein Online-Access-Panel für die Bodenseeregion auf. Das Panel soll von interessierten ForscherInnen der IBH und anderen Institutionen der Region genutzt werden können, um wissenschaftliche Fragestellungen untersuchen zu können, erzählen Thomas Hinz und Thomas Wöhler von der Universität Konstanz im Interview.

Welche Ziele verfolgen Sie mit diesem Projekt?

Die zunehmende Zusammenarbeit von Kommunen und Unternehmen in der Bodenseeregion geht einher mit einer stärkeren wissenschaftlichen Kooperation der Hochschulen in der Bodenseeregion, die nicht zuletzt durch die IBH befördert wird. Daraus ergibt sich ein stärkeres Interesse für regionale Probleme und Fragestellungen. Die Region Bodensee ist dabei geprägt durch eine institutionelle und kulturelle Vielfalt, teilt aber auch viele Rahmenbedingungen in wirtschaftlicher, ökologischer und demografischer Hinsicht. Um diese regionalen Probleme und Fragestellungen fundiert bearbeiten zu können, schlagen wir die Einrichtung eines wissenschaftlichen Online-Access-Panels für die Bodenseeregion vor.

Wie setzt sich dieses Panel zusammen?

Das Panel soll aus zufällig ausgewählten BürgerInnen der Gemeinden rund um den Bodensee bestehen. Diese können sich online registrieren, wenn sie sich bereiterklärt haben, in regelmässigen Abständen an Befragungen oder Experimenten teilzunehmen. Die Zufallsauswahl führt dazu, dass die Ergebnisse jeweils als repräsentatives Meinungsbild für die Bodenseeregion angesehen werden können.

Welche Vorteile hat ein Online-Panel?

Der Online-Zugang ermöglicht eine schnelle Umsetzung und die schnelle Reaktion auf aktuelle Themen und Fragestellungen. Das Panel soll von interessierten ForscherInnen der IBH und relevanten Institutionen der Region genutzt werden können, um wissenschaftliche Fragestellungen untersuchen zu können. Dazu können die im Panel registrierten BürgerInnen online befragt werden oder sie können zur Teilnahme an Forschungsprojekten eingeladen werden. Ein vergleichbares internationales Bürgerpanel gibt es bislang noch nicht. Unser Projekt ist daher als Machbarkeitsstudie angelegt und soll wenn möglich über die Projektdauer hinaus fortgeführt werden.

Welches sind die ersten Projektschritte?

Wir beginnen parallel mit zwei Arbeitsmodulen. Zum einen versuchen wir den Bedarf für ein wissenschaftliches Online-Access-Panel festzustellen. Sowohl bei den in der IBH organisierten Hochschulen, als auch bei regionalen PartnerInnen aus Politik und Industrie wird dabei recherchiert, inwiefern es konkrete Forschungsanliegen mit regionalem Bezug gibt, die mit Hilfe einer Befragung beantwortet werden können. Zunächst wird dies über eine Recherche erhoben, mit dem Ziel einer Themen- und Ideensammlung. Interessierte aus der IBH sowie regionale außeruniversitäre Akteure werden dann zu einem Workshop eingeladen, an dem regionale Forschungsfragen und mögliche Kooperationen erarbeitet werden können. Zum anderen etablieren wir die Forschungsinfrastruktur und rekrutieren Befragte in drei Städten der Bodenseeregion. Technisch beinhaltet dies die Auswahl und Einrichtung einer Panel-Verwaltungssoftware und die Erstellung einer Homepage für die Kommunikation mit den Panelisten. Rechtlich muss der Datenschutz sichergestellt sein. Die Beteiligung von drei Ländern macht diese Abklärung entsprechend umfangreich. 

Wie wollen Sie Teilnehmende für das Panel gewinnen?

Wir müssen Möglichkeiten finden, die Menschen in allen drei Ländern und Städten in gleicher Weise zur Teilnahme zu motivieren. Dies könnte über die Entwicklung eines Belohnungssystems geschehen, könnte aber auch über die Beteiligung an konkreten Forschungsfragen erfolgen. Nach den zwei geplanten Befragungswellen wird es darauf ankommen, dass die TeilnehmerInnen repräsentativ für die beteiligten Städte sind (oder nachträglich gewichtet werden können) und, dass die Teilnahmebereitschaft nachhaltig hoch ist, dass also die sogenannte Panelmortalität gering ist.

Welchen Mehrwert versprechen Sie sich mit den Ergebnissen für die Bodenseeregion?

Das Befragungspanel dient der langfristigen Förderung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit in der Bodenseeregion. Eine geteilte Forschungsinfrastruktur für Befragungen stimuliert erstens die nachhaltige regionale Zusammenarbeit der verschiedenen Hochschulen, fördert zweitens die Sichtbarkeit der Forschung in der Region (und der Region in der Forschung) und unterstützt drittens bei der Beantwortung regionaler Forschungsfragen. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt das Projekt von Anfang an auf eine breite Beteiligung von interessierten ForscherInnen aus der IBH. Auch der Einbezug von Akteuren aus Politik und Wirtschaft hat hier einen hohen Stellenwert.

Neben des Wertes als Forschungsinfrastruktur kann eine bodenseeweite regelmäßige Befragung unserer Meinung nach aber auch für das Zusammenwachsen der Region einen Beitrag leisten. Die gemeinsame Teilnahme, so unsere Hoffnung, stärkt die Identifikation mit der Region. Bei den TeilnehmerInnen wird so ein Interesse für Fragestellungen geweckt, die die gesamte Region betreffen. Auch die Verbreitung der Ergebnisse der Befragungen kann diesen Effekt haben. Wenn bisher beispielsweise die Ergebnisse einer Befragung in Konstanz vorliegen, gibt es keine Informationen darüber, wie die BürgerInnen direkt über der Grenze in Kreuzlingen oder auf der anderen Seite des Sees in Überlingen geantwortet hätten. Unterschiede oder Gemeinsamkeiten in der Region können hier auch Verständnis und Interesse wecken.

Zum Projekt