Regionale Identität stärken

7. Februar 2020

Innovative Wege zur Stärkung der kulturellen Identität der Bodenseeregion aufzuzeigen, ist das Ziel des IBH-Projekts Cultural Mapping 4.0. Es wird getragen von der ZHAW und der HTWG Konstanz. Wir haben mit Projektleiter Patrick Laube über das Projekt gesprochen. 

Was sind die Ziele des Projekts?

Im Projekt CultMap4 untersuchen wir die übergeordnete Frage, was kulturelle Identität in einer grenzüberschreitenden und diversen Region wie der Bodenseeregion sein kann und was sie zu leisten vermag. Mit verschiedenen Befragungsansätzen untersuchen wir, wie die einheimische Bevölkerung, Unternehmen und TouristInnen die regionale kulturelle Identität, also ihr Eigenbild, und das Image — das Fremdbild — der Bodenseeregion wahrnehmen. Dabei konzentrieren wir uns auf vier Bereiche: Wirtschaft und Arbeit, kulturelle Ressourcen, Zivilgesellschaft und Integration, sowie Tourismus und Mobilität.

Was macht das Projekt besonders?

Im Projekt leisten wir eine interdisziplinäre Kombination von sozialwissenschaftlichen Ansätzen mit Verfahren aus der Geoinformatik und Webtechnologien 4.0. Wir analysieren die Wechselwirkung zwischen Kultur und Identität in der Bodenseeregion mit der neuen Methode des «Cultural Mapping». Diese erfasst neben kulturellen Ressourcen unter anderem auch lokale Geschichten, Erinnerungen und Rituale. Neben der Datenerfassung mit Experteninterviews setzt das Projekt besonders auf die Web-basierte Datenerfassung über partizipative Kartierung und die Präsentation der Resultate durch interaktives Storytelling mit sog. StoryMaps. Das Projekt leistet damit auch einen methodischen Beitrag zur digitalen Transformation der Regionalentwicklung.

Wie gehen Sie konkret in Ihrem Projekt vor?

Nach einer theoretischen Fundierung, einer Stakeholderanalyse und einer Zusammenstellung bereits bestehender räumlicher und nicht-räumlicher Daten zum Kultur-, Wirtschafts- und Tourismusraum der Bodenseeregion, fokussieren wir auf Interviews mit Einheimischen, TouristInnen sowie ExpertInnen aus dem Wirtschaftssektor. Hier erhalten die Befragten auch die Möglichkeit ihre Raumvorstellungen auf interaktiven Webkarten einzuzeichnen und so explizit räumliche und vermessbare Aussagen über die kulturelle Identität zu machen.

Wie muss man sich das vorstellen?

Cultural Mapping 4.0 ist nicht nur Methode sondern auch Resultat: Resultate und Einsichten des Projekts werden abschliessend durch digitales Storytellings über die Kombination von Texten mit interaktiven thematischen Karten und vielfältigen digitalen Medien wie Hyperlinks, Bildern, Audio oder Videoaufnahmen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Um die Forschungsergebnisse in die Praxis zu transferieren führen wir am Ende des Projektes einen Schlussworkshop durch, der relevanten Stakeholdern die Projektergebnisse zugänglich macht und im Rahmen dessen mit ihnen gemeinsam Handlungsempfehlungen für die vier Themenschwerpunkte erarbeitet werden.

Was muss gelingen, damit Sie das Projekt nach Abschluss als erfolgreich bezeichnen würden?

Die Planung der ersten, bereits für die kommende Sommersaison 2020 angesetzten Befragungen von TouristInnen ist ambitioniert. Neben den organisatorischen Herausforderungen der Planung und Umsetzung der Befragungen mit Studierenden muss bis dahin auch das Web-Tool für die partizipative Kartierung entwickelt und einsatzfähig sein. Gelingt die Primärdatenerhebung in gewünschter Breite und Tiefe, gilt es die Einsichten unter Mitwirkung aller Stakeholder für die Aufwertung des Kultur- und Wirtschaftsraums Bodenseeregion gezielt einzusetzen. Mit der Veröffentlichung der Webpage «Cultural Mapping Lake Constance» soll dann erstmalig eine Plattform entstehen, die langfristig ein Bewusstsein für die kulturelle Identität und kulturelle Ressourcen der Bodenseeregion schärft und von Einheimischen sowie Stakeholdern aus Wirtschaft, Tourismus und Standortmarketing als Planungs- und Entscheidungstool genutzt wird.