Lernen in inklusiven Settings

14. Oktober 2020
Die Regionen Vorarlberg und St. Gallen haben sich zum Ziel gesetzt, inklusive Gesellschaften zu werden. Menschen mit Behinderung sollen am gesellschaftlichen Leben Teilhabe und Selbstbestimmung erfahren können. Damit dies von Beginn an gelingt, müssen sich auch die Schulen öffnen und zu Schulen für alle Kinder werden. Die Pädagogischen Hochschulen St.Gallen und Vorarlberg setzten hier mit einem von der geförderten Lehrprojekt an. Im Rahmen der LehrerInnenbildung entwickelt das Projektteam um Petra Hecht und Robbert Smit zusammen mit praktizierenden Lehrpersonen innovative Lehr- und Lernmethoden, die das gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung in einem inklusiven Unterricht fördern.
 
Was sind die Ziele des Projekts?

Österreich und die Schweiz haben sich mit der Unterzeichnung der Behindertenrechtskonvention zur Umsetzung einer inklusiven Schule verpflichtet. Den LehrerInnenbildungsinstitutionen kommt demnach die Aufgabe zu, angehende LehrerInnen bestmöglich für einen inklusiv zu führenden Unterricht vorzubereiten und amtierende Lehrpersonen bei dieser Aufgabe zu unterstützen. Nachdem sich die beiden Länder hinsichtlich ihrer Studienarchitektur und Fortbildungsformen unterscheiden, sollen in dieser grenzüberschreitenden Forschungskooperation das jeweilige Verständnis von Heterogenität geschärft und zukünftig eine Ausrichtung an einem geteilten Konzept von Inklusion möglich werden.

Das Projekt setzt sich zum einen das Ziel, die Unterrichtsqualität in inklusiven Settings zu heben und förderliche Strukturen für das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung zu ermitteln. Es sollen aber auch die Dozierenden der beteiligten Hochschulen ein verstärktes Verständnis für inklusive Grundsätzen erwerben, die sich in den Lehrveranstaltungen abbildet. Ein länderübergreifender Austausch von Lehrpersonen und Dozierenden soll gemeinsame Perspektiven auf eine inklusive Schule ausloten.

Wie gehen Sie konkret in Ihrem Projekt vor?

Ein zentraler Gelingensfaktor bei der Umsetzung inklusiven Unterrichts liegt in einer guten Zusammenarbeit zwischen Regel- und Sonderschullehrpersonen. Es sollen daher die Gestaltung, Akzeptanz und Handhabbarkeit inklusiver Lernarrangements an Hand von Videoclips, die von Lehrpersonen-Tandems selbst aufgenommen werden, analysiert und diskutiert werden. Die Clips werden im Anschluss an den Unterricht in Videozirkeln für die Unterrichtsentwicklung genutzt. Sie erlauben einen vertieften Blick in die unterschiedlichen Handlungspraktiken beider Regionen.

Wir wollen damit herausarbeiten, inwieweit das didaktische Ziel der Gestaltung gemeinsamer Lehr-Lernsituationen in Kooperation gelingt und optimiert werden kann. Dabei interessieren uns auch länderspezifische Rahmenbedingungen, die zu einer inklusiven Unterrichtsgestaltung beitragen, und in einem länderübergreifenden Austausch zwischen Lehrpersonen und Dozierenden der beteiligten Hochschulen reflektiert werden.

Was muss gelingen, damit Sie das Projekt nach Abschluss als erfolgreich bezeichnen würden?

Von einem Erfolg dürfen wir sprechen, wenn es über das Projekt gelingt, nicht nur innovative, inklusive Unterrichtssettings zu ermitteln, sondern über die LehrerInnenausbildung ein praxisorientiertes Konzept für die schulpraktischen Übungen zu etablieren, das Dozierenden und Studierenden in Zukunft eine inklusive Ausrichtung des unterrichtlichen Handelns erlaubt. Ein Reflexionspapier zur Gestaltung inklusionssensibler Unterrichtssettings soll bereits in den schulpraktischen Studien Anwendung finden. Aus unserer Sicht wird das ein wichtiger Schritt zur Weiterentwicklung in Richtung einer inklusiven Bildung und Gesellschaft sein.

 

Ansprechperson
Prof. Dr. Markus Rhomberg
Tel.: +41 71 677 05 20
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