Ökologischen Fussabdruck von Online-Zeit individuell bestimmen

13. August 2020

Rechner, die den persönlichen, ökologischen Fußabdruck bestimmen, gelangen zu stark voneinander abweichenden Ergebnissen. Bisher betrachten sie den Verbrauch, die durch die Verwendung von verteilten, internetbasierten Softwareanwendungen auf persönlich genutzten Geräten wie Smartphones, Tablets, Computern oder Geräten des Internets der Dinge verursacht werden, kaum oder intransparent. So bleiben Nutzer*innen dieser Geräte die damit verbundenen ökologischen Auswirkungen gänzlich verborgen – und dies, obwohl das Internet mit rund 3 Prozent einen signifikanten Anteil am CO2-Gesamtverbrauch der Welt hat. Das IBH-Projekt Onlinezeiten-Fussabdruckrechner will ein allgemeines Referenzmodell zur Bestimmung des persönlichen Fußabdrucks und zum anderen ein Modell zur Berechnung von Onlinezeiten erarbeiten. Es wird getragen von der HTWG Konstanz und der ZHAW. Wir haben mit Projektleiterin Sonja Meyer gesprochen.

Was sind die Ziele des Projekts?

Wir wollen ein Referenzmodell dafür entwickeln, um den ökologischen Fussabdruck der Online-Zeiten, die jeder und jede von uns digital verbringt, zu berechnen. Ein nutzer*innenfreundlicher „Onlinezeiten-Fussabdruckrechner“ soll am Ende des Projektes frei verfügbar sein.

Warum ist die Bodenseeregion ein ideales Untersuchungsgebiet für Ihr Projekt?

Zum einen steigen die Datenmengen und Nutzer*innenzahlen von mit dem Internet verbundenen Geräten stetig und auch die Bandbreiten werden immer größer. Zum anderen existiert in der internationalen Bodenseeregion ein immer stärkerer Wunsch, nachhaltiger zu leben. Wurde diese Bewegung zu Beginn vor allem von Schüler*innen und Studierenden vorangetrieben, so ist diese inzwischen in der breiten Bevölkerung angekommen und mündete im Jahr 2019 z.B. in der Erklärung des «Klimanotstands» durch den Gemeinderat der Stadt Konstanz. Auch viele der avisierten Projektinhalte wurden durch Studierende an das Projektteam herangetragen.

Wie gehen Sie konkret in Ihrem Projekt vor?

Das Projekt soll das Problem im Rahmen von wissenschaftlichen Recherchen und Analysen durch ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftler*innen und Studierenden der ZHAW und HTWG Konstanz untersuchen. Hierzu werden insbesondere die Kompetenzen aus den Fachbereichen Informatik „Software Engineering von Internet basierten Anwendungen“ und „Nachhaltigkeitsbewertung“ aus den Umweltwissenschaften kombiniert. Um die Anforderungen zu erfassen, sollen zudem relevante regionale und überregionale technische Stakeholder mit in das Projekt einbezogen werden. Hierdurch soll eine nachträgliche Validierung der Ergebnisse sichergestellt werden.

Was muss gelingen, damit Sie das Projekt nach Abschluss als erfolgreich bezeichnen würden?

Da bereits die Entwicklung der Modelle und deren technische Umsetzung in Form von Software sehr anspruchsvoll ist, wäre dies bereits ein zentraler Projekterfolg. Darüber hinaus kann das Projekt zu völlig neuen Erkenntnissen bezüglich der Bedeutung von Onlinezeiten und der Relevanz einzelner Lebensbereiche bei der persönlichen Fußabdrucksberechnung führen, was insbesondere aus wissenschaftlicher Sicht ein erfolgreicher Beitrag wäre.

Ganz unabhängig von wissenschaftlichen Gesichtspunkten wäre es darüber hinaus natürlich toll, wenn es mit Hilfe des Projekts gelingen würde, die lokale Bevölkerung im Bereich des Internetkonsums zu sensibilisieren, was letztlich das ökologische Bewusstsein stärken und vielleicht sogar zu Verhaltensanpassungen hin zu einem nachhaltigeren Onlineverhalten führen könnte.