Regionale Wertschöpfung durch Architektur schaffen

29. Juni 2020
Welche regionale Wertschöpfung wird durch die Architektur im Bodenseeraum erbracht? Welchen Einfluss hat die Baukultur auf die regionale Identität? Wie agieren Architektinnen und kreative Akteure innerhalb des gesamten Wirtschaftskomplexes? Und wo befinden sich die entsprechenden Wissens- und Innovationscluster? Diese Fragen will das IBH-Projekt Regionale Wertschöpfung durch Architektur und Baukultur in der Bodenseeregion untersuchen. Es wird getragen von der Zürcher Hochschule der Künste, der Universität Liechtenstein sowie der Zeppelin Universität. Wir haben mit Projektleiterin Janine Schiller von der ZHdK gesprochen.
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Was sind die Ziele des Projekts?

Ziel des Projekts ist es, das Wechselverhältnis zwischen Architektur, nachhaltigem Wirtschaften und kulturellem Selbstverständnis in der Bodenseeregion exemplarisch zu untersuchen. Einen Schwerpunkt legen wir darauf, zu verstehen, in welche kreativen Ökosysteme ArchitektInnen eingebettet sind, welche Rolle Nachhaltigkeit in der Architekturpraxis in sozialer, wirtschaftlicher oder ökologischer Sicht spielt und welche unternehmerischen Strategien dabei verfolgt werden. Dazu soll die impulsgebende Wirkung von Architekturprojekten betrachtet werden.

Was macht das Projekt besonders?

Die Architektur sucht vor dem Hintergrund der digitalen Transformation nach Antworten auf die grossen Fragen des künftigen Wohnens und Wirtschaftens, der Raum- und Technologieentwicklung, beschäftigt sich mit der Kreislaufwirtschaft und dem Smart Living. Sie setzt sich mit der bestehenden Baukultur und Ortsspezifik auseinander und verhandelt Fragen der regionalen Identität. Die Tiefenwirkung der Architektur und Baukultur in zeitgenössischer wie historischer Hinsicht für das kulturelle Selbstverständnis zu erforschen, heisst den Zusammenhang zwischen ästhetischer, ökonomischer, ökologischer und sozialer Wirksamkeit von Architektur aufzuzeigen.

Dieser komplexen Ausgangslage begegnen wir mit einem Forschungsteam, das interdisziplinär zusammenarbeitet und einem Forschungsdesign, das verschiedene Hochschultypen vernetzt. Die Projektpartnerinnen vertreten zudem alle vier Bodenseeregionen: Die Zürcher Hochschule der Künste mit dem Zurich Centre for Creative Economies, die Universität Liechtenstein mit dem Institut für Architektur und Raumentwicklung, die Zeppelin Universität mit dem Lehrstuhl Kunsttheorie und inszenatorische Praxis und das Vorarlberger Architektur Institut als Praxispartnerin.

Wie gehen Sie konkret in Ihrem Projekt vor?

Methodisch kombinieren wir quantitative und qualitative Zugänge. Einerseits wird die empirische Basis zur Wertschöpfung der Architektur über einen statistischen Forschungsansatz der Creative Economies erhoben, andererseits wird durch eine Reihe von Fallstudien, Netzwerk- und Stakeholderanalysen und themenzentrierten Interviews ein qualitativer Zugang gewählt, der eine Innenperspektive eröffnet. Die Vernetzung mit der Praxis dient dabei erstens als analytischer Rahmen, zweitens wird damit die Möglichkeit geschaffen, AkteurInnen aus den Teilregionen des Bodenseereaums direkt in das Projekt einzubinden. Dies erlaubt es, gerade an den flexiblen «Rändern» der Branche Wertschöpfungskonstellationen zwischen Kultur, Wirtschaft und Technologie zu identifizieren.

Was muss gelingen, damit Sie das Projekt nach Abschluss als erfolgreich bezeichnen würden?

Die Studie will zum einen Erkenntnisse über die wirtschaftliche Dynamik der Branchengruppe Architektur liefern und Fragen zu ihrer Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit beantworten. Zum andern geht es darum zu untersuchen, welchen Impact die Baukultur für eine nachhaltige und umweltbewusste Entwicklung auf regionaler Ebene hat; dazu soll an beispielhaften Projekten der gesellschaftliche Mehrwert, den die Architektur entfalten kann, aufgezeigt werden. Es wäre ein Erfolg, wenn es uns damit gelingt, in einer länderübergreifenden Perspektive innerhalb der Baukultur gezielt für die Themen Nachhaltigkeit und kulturelles Selbstverständnis zu sensibilisieren.

Etwas grösser gedacht: wenn mit einem grenzübergreifend gestärkten Netzwerk von nachhaltiger Architektur und Baukultur sowie dem Wissen über den spezifischen identitätsstiftenden Impact auf das kulturelle Selbstverständnis in der Bodenseeregion spezifische Anhaltspunkte und Handlungsfelder identifiziert werden, um den Strukturwandel, in dem die sich die Region befindet, aktiv zu gestalten.