Soziale Kompetenz und gesellschaftliche Teilhabe im digitalen Wandel

4. März 2021

Junge Erwachsene nutzen digitale Technologien sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext. Digitale Aktivitäten müssten also auch bei der Entwicklung sozialer Kompetenzen und der gesellschaftlichen Teilhabe eine grosse Rolle spielen. Ein interdisziplinäres Team aus Berufs- und Wirtschaftspädagogik sowie Praktischer Theologie der PH St.Gallen, der Universität Konstanz und der Universität Zürich beschäftigt sich im IBH-Projekt DigiEduVV mit diesem Themenbereich. Wir haben mit dem Projektteam gesprochen.

Was sind die Ziele des Projektes?
Bisher werden berufliche Bildung und freiwillige Bildungskontexte oft getrennt untersucht, obwohl es nahe liegt, dass ihr Zusammenspiel für die Entwicklung und Partizipation von jungen Erwachsenen relevant ist. Wir wollen deshalb in diesem Projekt mehr über die Rolle von digitalen Aktivitäten für gesellschaftliche Teilhabe, soziale Kompetenz und deren Wechselbeziehungen erfahren. Unsere Ergebnisse sollen als Grundlage für Publikationen zu Konzepten und Daten digitaler Aktivitäten, sozialer Kompetenz und gesellschaftlicher Teilhabe dienen und zwar erstmals unter gleichzeitiger Berücksichtigung von Berufsbildung und Freiwilligenarbeit. Mit der in diesem Projekt geschaffenen empirischen Grundlagen wollen wir ein grösseres internationales Forschungsprojekt lancieren.

Warum ist die Bodenseeregion ein ideales Untersuchungsgebiet für Ihr Projekt?
Die Region rund um den Bodensee ist ein privater und beruflicher Lebensraum, der sowohl geografisch, kulturell als auch wirtschaftlich eng verknüpft ist. Daher soll der Zugang zu jungen Erwachsenen und ihren Lebenswelten nicht durch politische Grenzen bestimmt werden, sondern regional und über Landesgrenzen hinweg authentisch erfasst werden.

Die Feldzugänge fokussieren sich auf die Bodenseeregion und liefern regionsspezifische Informationen über die Charakteristika von jungen Erwachsenen. Die Studienresultate können sowohl Informationen als auch Anregungen liefern, wie Kooperations- und Kommunikationsprozesse in der Berufsbildung und der Freiwilligenarbeit in der Bodenseeregion technisch unterstützt, vernetzt und effizienter gestaltet und gleichzeitig soziale Kompetenz und gesellschaftliche Teilhabe grenzüberschreitend international gefördert werden können.

Aus sozioökonomischer und bildungspolitischer Sicht erhält die Freiwilligenarbeit in der Bodenseeregion durch die Befragungen eine höhere Sichtbarkeit. Zudem können die empirischen Daten über den Einsatz digitaler Aktivitäten in der Berufsbildung und in grösseren Freiwilligengruppen auch Impulse für kleinere Freiwilligengruppen geben, die sich bisher kaum mit dem Thema Digitalisierung auseinandergesetzt haben. Darüber hinaus können Berufsschulen des Bodenseeraums von den Erfahrungen der kirchlichen Freiwilligenarbeit profitieren und bestimmte Kommunikations- und Organisationsformen adaptieren.

Wie gehen Sie konkret in Ihrem Projekt vor?
Das Projekt ist in drei Phasen gegliedert. In Phase 1 erfolgt ein systematisches Review zu den drei zentralen Begriffen: digitale Aktivitäten, gesellschaftliche Teilhabe und Sozialkompetenz. Eine Herausforderung ist, dass sowohl pädagogische als auch praktisch-theologische Zugänge berücksichtigt werden und ein gemeinsames Verständnis entwickelt wird. In Phase 2 werden junge Erwachsene im Berufsbildungskontext mithilfe eines quantitativen Zugangs zu den zentralen Aspekten online befragt. In Phase 3 werden die Erkenntnisse mithilfe eines qualitativen Zugangs in Interviews mit Teilnehmenden, die sich neben ihrer Berufsausbildung in kirchlichen Freiwilligenarbeitskontexten engagieren, vertieft.

Der methodische Zugang trägt zur Mehrperspektivität bei, die der Komplexität des Forschungsgegenstandes gerecht werden sollen. Dies bedeutet, dass Lebenswelten von jungen Menschen auf diese Weise so wahrgenommen und dargestellt werden, wie sie sich auch in der Realität zeigen: Vernetzt und mehrdimensional.

Was muss gelingen, damit Sie das Projekt nach Abschluss als erfolgreich bezeichnen würden?
Die Erkenntnisse des Projekts sollen über die Konzepte und die Merkmale digitaler Aktivitäten, sozialer Kompetenz, gesellschaftlicher Teilhabe von jungen Erwachsenen der Bodenseeregion informieren und die bis dahin wenig berücksichtigten Wechselbeziehungen sichtbar machen. Darüber hinaus ist das Projekt erfolgreich, wenn es gelingt, dass diese Erkenntnisse von Stakeholdern, zum Beispiel Berufsbildende, Schulleitungen, Leitungen von Freiwilligengruppen und Forschenden, aufgegriffen und in ihrer zukünftigen Arbeit integriert werden.

Zusammenfassend wird das Projekt dann erfolgreich sein, wenn und weil es eben gerade nicht endgültig abgeschlossen ist, sondern die Befragungen und die Resultate junge Erwachsene für digitale Aktivitäten, soziale Kompetenz und gesellschaftliche Teilhabe sensibilisieren. Mithilfe von Workshops soll für Akteur*innen in formalen und nicht-formalen Kontexten eine Plattform für den Aufbau neuer Netzwerke in der Bodenseeregion geschaffen werden.

 

Ansprechperson
Prof. Dr. Markus Rhomberg
Tel.: +41 71 677 05 20
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