Studentische Forschung fördern

29. März 2019

Die Forschungskompetenzen von Studierenden zu fördern hat sich ein IBH-Projekt der Universitäten St. Gallen, Liechtenstein, der Zeppelin Universität, der FH Vorarlberg sowie der PH Vorarlberg zum Ziel gesetzt. Die Leitfrage des Projekts lautet dabei, was unter studentischem Forschen verstanden werden kann und wie Formen des studentischen Forschens in den IBH-Hochschulen gefördert werden können. Im Interview erklärt Projektleiterin Sabine Seufert die die Ziele des Projekts Studentische Forschung in der Bodenseeregion und warum die Förderung des Forschungsinteresses von Studierenden so wichtig ist.

Was sind die Ziele des Projekts Studentische Forschung in der Bodenseeregion?

Für Studierende werden Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien und Informationen immer wichtiger. Forschendes Lehren und Lernen gewinnt deshalb noch zentralere Bedeutung in der Hochschulbildung. Eine systematische Verwendung und Vergleich, was unter forschendem Lernen verstanden wird und in welcher Form dies an Hochschulen umgesetzt werden kann, ist bislang kaum Gegenstand von Untersuchungen. Zudem sind empirische Daten zur studentischen Forschung an Hochschulen nicht verfügbar. Mit diesem Lehrprojekt soll die studentische Forschung im Rahmen von Bachelor- bzw. Masterarbeiten systematisch untersucht und empirische Benchmarking-Daten erhoben werden.

Aus welchen Gründen ist die frühe Einbeziehung von Studierenden in die Forschung sinnvoll?

Die Digitalisierung hat sehr grosse Implikationen im Hinblick auf sich verändernde Forschungsfragen, inhalte und –methoden. Gesellschaft und Wirtschaft sowie auch unsere Forschungslandschaft befindet sich derzeit in einem massiven Umbruch. Eine forschende, kritisch-reflektierende Denkhaltung möglichst früh zu etablieren und gemeinsam zu kultivieren, ist dabei enorm wichtig. Insbesondere schon allein deshalb, um nicht in unserer schnelllebigen Zeit verkürzte Antworten auf komplett neue Herausforderungen zu entwickeln, bei denen wir zunächst erst einmal noch viel besser die Fragen verstehen müssen. Studierende sollten sich daher bereits von Studienbeginn an, als Gestalter der digitalen Transformation verstehen.

Welche fachlichen und berufsorientierten Kompetenzen können Studierende in einem forschungsorientierten Studiengang (zum Beispiel im Vergleich mit einem eher praxisorientierten Studium) gewinnen?

In forschungsorientierten Studiengängen besteht das Potenzial, studentisches Lernen wie ein Forschungsprozess zu gestalten und mit Forschungsfragen zu verknüpfen, so dass eine intensive Auseinandersetzung mit künftigen Entscheidungs- und Handlungsszenarien in einem interdisziplinären Kontext gefördert werden kann. Big Data bietet großes Potenzial für Forschung und Erkenntnisprozesse: Theorien lassen sich schneller datengestützt überprüfen, große Datenmengen ermöglichen durch neuartige Verknüpfungen neue Hypothesen und Denkmodelle. Für die Hochschulbildung bedeutet dies, forschendes Lehren und Lernen und die Vermittlung wissenschaftlicher Methodenkenntnisse zu stärken, um einen fundierten, wissenschaftsgeleiteten Erkenntnisgewinn zu ermöglichen.
In der derzeitigen Diskussion stehen häufig fach- und berufsorientierte Kompetenzen im Vordergrund. Digitale Kompetenzen als «Hard skills» in bestehende Studiengänge zu integrieren, ist allerdings nicht ausreichend. Diese Sichtweise bedient eine sehr technische und minimalistische Ausrichtung, nur bezogen auf die Frage, wie etwas besser funktioniert. Sie müssen zwar digitale Skills im Sinne von Methodenkompetenzen anwenden können, aber ihr Profil sollte sich weg vom technokratischen Problemlöser hin zur reflektierenden, verantwortungsvoll handelnden Persönlichkeit entwickeln.

Wie gehen Sie konkret in Ihrem Projekt vor?

Die Betreuung mehrerer Bachelor- bzw. Masterarbeiten sichert die intensive Einbindung von Studierenden für das Themengebiet «Forschendes Studium». Über die Kollaborationssoftware ZOOM sichern wir in kontinuierlichen Webinaren den gemeinsamen Austausch und die begleitende Betreuung der studentischen Forschungsarbeiten. Für die Studierenden ist dies zum einen recht motivierend, in einer internationalen Forschungsgemeinschaft an einer gemeinsamen Leitfrage zu arbeiten und gleichzeitig einen eigenen Schwerpunkt dabei vertiefen zu können. Zum anderen können wir gemeinsam im Konsortium den Zugang zum empirischen Feld erleichtern und gegenseitig voneinander lernen. Wir sind selbst gespannt auf die Ergebnisse, welche Erkenntnisse wir hier gemeinsam gewinnen können.