Unglaubliche Dichte an Hochschulen im Bodenseeraum

14. Oktober 2020

Vorarlberg setzt auf seine Fachhochschule sowie den Ausbau von internationalen Kooperationen mit anderen Hochschulen, beispielsweise im Rahmen der Internationalen Bodensee-Hochschule. Das war der Tenor einer Podiumsdiskussion Freitagabend im vorarlberg museum in Bregenz. Der Vorarlberger Wirtschafts-Landesrat Marco Tittler verwies auf die langjährige gute Hochschulkooperation im Bodenseeraum. Für eine verstärkte Zusammenarbeit wurde ein gemeinsamer Campus mit Sitz in Vorarlberg ins Spiel gebracht.

Braucht Vorarlberg eine eigene Universität? Seit 40 Jahren wird in Vorarlberg darüber diskutiert. Die Frage stellte Moderator Markus Barnay an den Beginn einer Diskussion zur „Zukunft der Forschungs- und Bildungslandschaft im Bodenseeraum“ am Freitagabend im vorarlberg museum ein. Die Antwort des für Forschung zuständigen Vorarlberger Wirtschafts-Landesrats Marco Tittler fiel eindeutig aus: „Für uns ist nicht interessant, wo die Hochschule steht. Wir müssen schauen, dass wir Zugänge für die Vorarlberger Betriebe zu den Spitzeninstituten bekommen, egal wo auf der Welt.“ Vorarlberg habe „eine starke Fachhochschule“, er sei „froh über die Kooperationen, die sie unterhält“. Auch die Rektorin der Fachhochschule Vorarlberg, Tanja Eiselen, sieht keinen Sinn in einer eigenen Universität: „Ich sehe keinen Mehrwert, den wir nicht auch bieten können.“ Eiselen hat bei ihrer Arbeit einen klaren Fokus: „Nutzen stiften für die Region. Das ist unser Auftrag.“

Silvia Mergenthal, Prorektorin für Internationales an der Universität Konstanz, hielt dagegen: Wissenschaft dürfe nicht nur bedarfsorientiert sein, es brauche Grundlagenforschung mindestens ebenso wie angewandte Forschung. So hätten Forschende der Universität gemeinsam mit einer Ausgründung der Universität und einem Labor bereits im Mai erfolgreich einen PCR-Schnelltest entwickelt, der deutlich günstiger ist als seine Konkurrenz.

Eine Universität verändere zudem die gesamte Region, ist Mergenthal überzeugt: „Natürlich macht das was mit einer Stadt, ihrer Attraktivität und ihrer Wirtschaft, wenn es bei 85.000 Einwohnern 15.000 Studierende gibt, von denen viele einen internationalen Hintergrund haben.“ Darüber hinaus sei die Universität einer der größten Arbeitgeber in der Region.

Herausragende Hochschulen im Bodenseeraum

Tittler verwies auf „die unglaubliche Dichte an Hochschulen im Bodenseeraum“. Es müsse gelingen, die Kooperationen zu stärken. Die Internationale Bodensee-Hochschule (IBH) als ein Verbund von 27 Hochschulen in der Vierländerregion mache hier sehr gute Arbeit. Man müsse die Zusammenarbeit weiter intensivieren.

Die Zusammenarbeit im Rahmen der IBH solle ausgebaut werden, waren sich alle Diskutierenden einig. Mergenthal: „Wir könnten da noch viel mehr erreichen.“ Eiselen sieht die IBH als „wunderbares Beispiel für gelungenen Austausch, gemeinsame Projekte und für ein ‚Über-den-Tellerrand-Schauen‘“. Landesrat Tittler wünscht sich, dass auch Studierende stärker die Möglichkeiten im Vier-Länder-Raum nützen: „Aus der Historie heraus orientieren sich junge Menschen in Vorarlberg Richtung Wien, Graz oder Innsbruck. Aber das muss ja nicht so bleiben.“

Gemeinsamer Campus als Modell

Eine Möglichkeit, um das in der Region vorhandene Potential für Vorarlberg besser zu nutzen, ist für die Prorektorin der Universität Konstanz das Modell eines gemeinsamen Campus für die Hochschulen aus der Vierländerregion: Dort könnte in Kooperation geforscht und mit Unternehmen gearbeitet werden. Auch gemeinsame Studienprogramme wären möglich: „Das ist ein bisschen niederschwelliger als eine Universität zu schaffen. Es kostet einfach weniger Geld und wäre ein erster Schritt.“

Landesrat Tittler zeigte sich zum Abschluss der Podiumsdiskussion realistisch, was die Diskussion um eine Universität betrifft: „Solange Vorarlberg keine eigene Universität hat, wird es auch diese Diskussion geben.“