Virtuelle Brücken zwischen Hochschulen und Gesellschaft bauen

20. November 2020

Die Frage nach produktiven Formen des Dialogs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft steht im Mittelpunkt des IBH-Projekts VirtualU. Die Universitäten Zürich, Konstanz und Basel setzen sich einerseits mit den unterschiedlichen Ansprüchen von Hochschulen und Gesellschaft auseinander und wollen virtuelle Formate entwickeln, in denen die unterschiedliche Logik gesellschaftlicher Felder produktiv zum wechselseitigen Verständnis und Informationsgewinn beitragen kann. Wir haben mit dem Projektteam gesprochen.

Was sind die Ziele des Projekts?
Einerseits definieren wir Wissenstransfers als relevantes Instrument im Kontext von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, um einen weitreichenden Zugang zu Wissen und Bildung zu schaffen. Andererseits sehen wir Bildungsinstitutionen in der Verantwortung eine faktenbasierte Information zu gewährleisten und aktiv zu verbreiten – auch um der aktuell zunehmenden Verbreitung von Falschinformationen entgegenzuwirken.

Das Projekt verfolgt ein langfristiges Konzept zur Bewertung und Weiterentwicklung von virtuellen Kommunikationswegen, Formaten und Kontaktpunkten, die für einen erfolgreichen Wissenstransfer genutzt werden können. Dies soll auf drei Zielebenen geschehen:

  1. Im Bereich virtuelle Kommunikation und virtuelle Events ist aktuell sehr viel Wissen und Kompetenz entstanden. Diese neuen Erkenntnisse möchten wir sammeln, evaluieren und daraus konkrete Handlungsempfehlungen ableiten.
  2. Virtuelle Wissenskommunikation und damit einhergehende Kompetenzen sind nicht nur an den Hochschulen, sondern auch bei den Expert*innen aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik gefragt. Diese Gruppen haben jeweils unterschiedliche Anforderungskriterien sowie reziproke Ansprüche. In dialogischen Modellprojekten soll darauf eingegangen werden, wie der Wissenstransfer zwischen den verschiedenen Gesellschaftsbereichen nachhaltig gestaltet und damit der «Impact on Society» von Hochschulen weiter erhöht werden kann.
  3. Durch das Projekt soll also Austausch gefördert, Erfahrungen nutzbar gemacht und die Entwicklung des virtuellen Wissenstransfers gefördert werden. In diesem Kontext wird daher die Etablierung eines Expert*innennetzwerks zur Professionalisierung der virtuellen Wissenschaftskommunikation angestrebt.

Die drei Zielebenen gehen Hand in Hand und betonen den Aktualitätsbezug des Projekts. Die nachhaltige Weiterentwicklung des Wissenstransfers als relevantes Instrument im Kontext von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft steht klar im Fokus.

Warum ist die Vierländerregion Bodensee ein ideales Untersuchungsgebiet für Ihr Projekt?
Das Projekt ist darauf ausgerichtet internationalen Austausch zu fördern, die Bodenseeregion ist geografisch gesehen also ideal geeignet. Zusätzlich gibt es in der Region und dem näheren Umfeld mehrere Universitäts- und Hochschulstandorte. Die IBH fungiert in diesem Kontext als starke Partnerin und Katalysator für nachhaltigen Fortschritt im Bereich Wissenskommunikation und -transfer. Für die Bodenseeregion selbst bietet sich ausserdem die Möglichkeit innovative Wirtschaftszweige zu eröffnen.

Zusätzlich können wir mit dem Projekt natürlich auch einen allgemeinen Wissenszugewinn und eine damit einhergehende Imagewirkung für die IBH. Hier wurde ein internationales Expert*innennetzwerk gefördert, um dieses aktuelle und relevante Thema umfassend zu bearbeiten. Gleichzeitig arbeiten wir zwar schwerpunktmäßig hier in der Region, aber die Ergebnisse sollen durchaus Modellcharakter für viele Hochschulen haben und breit genutzt werden.

Wie gehen Sie konkret in Ihrem Projekt vor?
Im Rahmen einer Bestandsanalyse erfolgt bereits eine erste Typisierung von virtuellen Formaten, wobei der Fokus auf Innovation und Erfolgsmerkmalen liegt. Input liefert der Austausch mit internationalen Hochschulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie mit Akteur*innen aus Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft. Diese Expert*innen werden mit dem Ziel in die Arbeitsgruppe integriert, ein internationales Netzwerk aufzubauen.

Zusätzlich erfolgt eine Recherche zum aktuellen Angebot am Markt. Neben der Vorstellung von Formaten und Methoden geht es auch darum spezifische Anforderungs- und Erfolgskriterien zu ermitteln: Im Rahmen einer Stakeholderanalyse werden die Anspruchsgruppen an Wissenschaftskommunikation bestimmt. Die verschiedenen Ergebnisse werden evaluiert und zusammengeführt.

Auf dieser Basis wird dann Output generiert, um Weiterentwicklung innovativer virtueller Formate der Wissenskommunikation zu fördern: So werden etwa Leitfäden und Supportmaterialien erarbeitet oder die Ergebnisse in einer Toolbox veröffentlicht. Das internationale Expert*innen-Netzwerk ermöglicht ausserdem die nachhaltige und langfristige Bearbeitung dieses wichtigen Themas.

Was muss gelingen, damit Sie das Projekt nach Abschluss als erfolgreich bezeichnen würden?
Als erfolgreich würden wir das Projekt bezeichnen, wenn sich aus der Zusammenarbeit mit anderen Stakeholdern aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und dem Hochschul-Bereich eine Arbeitsgruppe gebildet hat. Dieses Expert*innen-Netzwerk ist die Grundlage, um die Weiterentwicklung von Wissenschaftskommunikation und Wissenstransfer langfristig zu fördern.

Andererseits ist es für uns natürlich ebenso wichtig ein Endprodukt bzw. einen Mehrwert zu schaffen. Dies wollen wir mit der Bereitstellung einer Toolbox erreichen, die im open-access Format bereitstehen soll. Damit soll eine ganz konkrete Unterstützung bei der Umsetzung innovativer, virtueller Konzepte und Projekte realisiert werden. Dieser Mehrwert trägt insgesamt zu einer Professionalisierung virtueller Kommunikationswege bei, die aus unserer Sicht sicherlich auch nach Corona eine weitreichende Rolle spiele werden.

 

Ansprechperson
Prof. Dr. Markus Rhomberg
Tel.: +41 71 677 05 20
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