Wertschätzung für regionale Lebensmittel erhöhen

14. Februar 2020
Die Wertschätzung für regionale Lebensmittel durch mehr Transparenz und verbraucherfreundliche Informationen erhöhen will das IBH-Projekt RegIdent. Es wird getragen von der FHS St. Gallen und der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Wir haben mit Projektleiter Oliver Christ gesprochen.
 
 
Was sind die Ziele des Projekts?

Umweltschutz, Ressourcenschonung und nachhaltiges Wirtschaften nehmen in unserem Alltag eine wichtige Rolle ein. Viele KonsumentInnen präferieren regionale Produkte und/oder biologisch angebaute und verarbeitete Lebensmittel. Trotz diverser Labels und Auszeichnungen ist die Transparenz bezüglich der Anbaumethodik, der Transportwege und der Verarbeitung leider oftmals mangelhaft, die Informationslage heterogen und das Vertrauen in die Produkte und Prozesse nicht immer gegeben. Wir wollen herausfinden, nach welchen Kriterien die regionalen KonsumentInnen die Regionalität der Endprodukte bewerten und wie sich Regionalität im Zusammenhang mit landwirtschaftlichen Produkten darstellen und kommunizieren lässt. Dies wollen wir an Produkten, die Regionalität aufweisen (z.B. Konfitüre, Obstsaft, Pesto) untersuchen.

Was macht das Projekt besonders?

Kern des Projektes ist es, die für die KonsumentInnen wichtigen Merkmale für die regionale Identität der Erzeugnisse zu ermitteln. Ein wichtiges Ergebnis der Arbeit wird die Entwicklung von Kennzahlen für die Regionalität und deren Überführung in übersichtliche produktbegleitende Informationen sein. Dies wird dazu beitragen, den Aspekt der Regionalität und seine konkreten Ausprägungen besser zu verstehen und für Produzenten und Verarbeiter von Lebensmittel kommunizierbar zu machen. Durch diese Analysen wird das Profil der Bodenseeregion genauer spezifiziert.

Eine solche Forschung gibt es bislang noch nicht. Wir sind überzeugt davon, dass dies ein innovatives, dynamisches Anwendungsgebiet ist und noch viele Einzeltechnologien, Integrationslösungen und Beratungsansätze benötigt werden. Diese sollen in der Region Bodensee entwickelt werden. Eine Übertragung der Methoden und Erkenntnisse auf andere Regionen ist möglich.

Wie gehen Sie konkret in Ihrem Projekt vor?

Wir wollen einerseits wissen, welche Selektions- und Auswahlkriterien für regionale KonsumentInnen kaufentscheidend sind, andererseits interessiert uns, welche Einflussfaktoren die Beurteilung der Regionalität bestimmen und wie sich die notwendigen Informationen entlang der Wertschöpfungskette ermitteln und zusammenführen lassen. Im Projekt werden zwei Forschungsteams aus St. Gallen und Sigmaringen in einem integrierten Forschungsdesign Konsumentenforschung und Prozess- sowie Informationsbedarfs-analysen miteinander verbinden. In einem iterativen Prozess werden wir aussagekräftige Kennzahlen und das Konzept für eine digitale Plattform entwickeln, mit deren Hilfe die Regionalität der Produkte bedarfsgerecht ermittelt und kommuniziert werden kann. Dabei wollen wir insbesondere die Möglichkeiten der automatischen Generierung, Verdichtung und Bereitstellung von Daten nutzen.

Was muss gelingen, damit Sie das Projekt nach Abschluss als erfolgreich bezeichnen würden?

Entscheidend für den Projekterfolg ist im ersten Schritt eine fundierte, wissenschaftlich abgesicherte Analyse der KonsumentInnenbedürfnisse hinsichtlich der Regionalität von Lebensmitteln. Diese ist mit den Anforderungen und Bedürfnissen der verschiedenen Wertschöpfungspartner abzugleichen. Ein breites, heterogenes Netzwerk von KonsumentInnen, regionalen Einzelhändlern, Verarbeitungsbetrieben, Behörden und Erzeugerbetrieben wird an diesem Projekt mitwirken. Gelingt es die wissenschaftliche Analyse und die Anwendung in diesem Projekt zusammenzuführen, kann dies als Erfolg gewertet werden.